Ärzte Zeitung online, 17.03.2014

Alzheimer

Nahrungsergänzungsmittel nutzen - aber nur wenig

Omega-3-Fettsäuren, Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel, die den Stoffwechsel von Nervenzellen ankurbeln sollen, haben in der Tat positive Effekte auf die Kognition von Alzheimerpatienten. Der Nutzen ist aber eher gering.

Von Thomas Müller

Supplemente nutzen - aber nur wenig

Einige Nahrungsergänzungsmittel zielen auf einen Schutz vor Demenz und eine Leistungsverbesserung der noch verbliebenen Hirnzellen.

© Özgür Donmaz / photos.com

MAINZ. Neue Alzheimermedikamente wird es in den kommenden Jahren kaum geben, daher wird auch versucht, die Funktionsfähigkeit der Patienten im Alltag mit nicht-medikamentösen Ansätzen zu verbessern - etwa mit Nahrungsergänzungsmitteln, die auf einen Schutz und eine bessere Leistung der noch verbliebenen Hirnzellen zielen.

Auf der Fortbildungsveranstaltung Neuro Update in Mainz hat Professor Richard Dodel von der Universität Marburg nun einige neue Studien zur Alzheimertherapie mit solchen Präparaten vorgestellt, etwa mit dem diätetischen Lebensmittel Souvenaid.

Die Trinkflüssigkeit enthält eine Kombination aus Nährstoffen zur Unterstützung der Synapsenbildung. Darunter befinden sich Omega-3-Fettsäuren, Phospholipide, Cholin, die Vitamine C, E, B12, B6 sowie Folsäure und Selen.

In der vor drei Jahren veröffentlichten Untersuchung Souvenir I ließ sich mit dem Präparat bei leicht bis moderat erkrankten und nicht antidementiv behandelten Alzheimerpatienten nach zwölf Wochen eine signifikant bessere Leistung in einem Test zur Worterinnerung erzielen als mit einem Placebo-Präparat, berichtete Dodel. Allerdings habe es keine signifikanten Unterschiede bei den Werten auf der ADAS-cog-Skala gegeben.

Zweite Studie mit zuvor unbehandelten Alzheimerpatienten

Basierend auf diesen Ergebnissen wurden weitere Studien mit dem Präparat initiiert. In Souvenir II verglichen die Studienärzte nun Souvenaid mit einem isokalorischen Placebopräparat über ein halbes Jahr hinweg, und zwar bei zuvor unbehandelten Patienten mit einer leichten Alzheimerdemenz (J Alzheimers Dis 2012; 31: 225).

Hier ließen sich die Ergebnisse im Wesentlichen bestätigen: Mit dem diätetischen Mittel war die Gedächtnisleistung signifikant besser als mit Placebo, allerdings war die Effektstärke mit einem Cohens-d-Wert von 0,2 recht gering.

Und beim Gesamtergebnis einer neuropsychologischen Testbatterie zeigte sich nur ein Trend zu einem besseren Ergebnis. Bei den Nebenwirkungen gab es keine signifikanten Unterschiede.

In der Studie S-Connect wurde schließlich geschaut, ob Souvenaid sich auch als Zusatztherapie bei Patienten mit Antidementiva lohnt (Alzheimers Res Ther 2013; 26; 5: 59). 527 Patienten mit leichter bis moderater Alzheimerdemenz, die bereits Cholinesterasehemmer oder Memantine bekamen, wurde das diätetische Lebensmittel oder wieder ein Placebopräparat angeboten. Als primärer Endpunkt dienten Veränderungen im ADAS-cog-Wert.

Hier gab es nach Studienende 24 Wochen später aber keine signifikanten Unterschiede. Bei Patienten, die bereits mit Antidementiva behandelt werden, kann das diätetische Lebensmittel den kognitiven Abbau nicht weiter bremsen, so die Schlussfolgerung des Neurologen. Immerhin war auch hier die Verträglichkeit der Zusatzbehandlung so gut wie unter Placebo.

Ketogenes Präparat kann Kognition leicht verbessern

Ein anderer Ansatz wird mit einem Caprylsäure-Derivat (Capryliden) verfolgt, das als AC-1202 oder Axona angeboten wird. Bekanntlich ist bei Alzheimer auch der Glukosestoffwechsel im Gehirn gestört, als Ersatz werden vermehrt Ketone in den Nervenzellen verbrannt - dieser Weg zur Energiegewinnung scheint bei Alzheimer noch halbwegs gut zu funktionieren.

Capryliden wird im Körper zu Keton-ß-Hydroxybutyrat umgewandelt, dieses gelangt über die Bluthirnschranke in die neuronalen Mitochondrien und kann zur ATP-Bildung beitragen.

In einer kontrollieren Phase-II-Studie erhielten nun 152 Patienten mit leichter bis moderater Alzheimerdemenz zusätzlich zur bisherigen Therapie drei Monate lang das Caprylsäure-Derivat oder Placebo (Nutrition & Metabolism 2009, 6: 31).

Nach 45 Tagen zeigte sich ein geringer, aber signifikanter Vorteil von zwei Punkten auf der ADAS-cog-Skala für Axona, nicht jedoch nach 90 Tagen.

Besser sah es in einer Subgruppenanalyse für Patienten ohne Apo-E4-Allel aus: Hier lag der Unterschied nach 45 Tagen bei knapp fünf Punkten und nach 90 Tagen immer noch bei signifikanten drei Punkten.

Allerdings machten die Nebenwirkungen den Patienten zu schaffen: Die Abbruchrate aufgrund unerwünschter Effekte war mit 23 Prozent versus 6 Prozent deutlich höher als unter Placebo, sagte Dodel. Am häufigsten traten Durchfall, Blähungen und Verdauungsstörungen auf.

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