Ärzte Zeitung, 04.08.2014

Biomarker

Fortschritt bei Alzheimer-Bluttest

Forscher haben zehn Proteine identifiziert, die stark mit der Prognose der Alzheimer-Demenz assoziiert sind. Das könnte die Entwicklung von Bluttests zur Risikoabschätzung beflügen.

M. Alzheimer: Fortschritt bei Bluttest

Blutproben - bald zur Prognose eines M. Alzheimer?

© luoman / iStock / Thinkstock.com

LONDON. In bisherigen Studien hatten sich 26 Proteine im peripheren Blut als potenzielle Biomarker für einen M. Alzheimer herauskristallisiert. Neurologen aus London werteten zusammen mit dem britischen Unternehmen Proteome Sciences, das sich auf Biomarker spezialisiert hat, drei Kohortenstudien aus (Alzheimer's & Dementia 2014, online 8. Juli).

476 der 1148 Studienteilnehmer hatten bereits M. Alzheimer, 220 Patienten eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI, mild cognitive impairment). 452 gesunde ältere Teilnehmer dienten als Kontrollgruppe. 476 Teilnehmer über alle Gruppen hinweg hatten zudem eine MRT-Untersuchung des Gehirns.

Zunächst bestätigten die Forscher frühere Beobachtungen, dass 16 Biomarker mit dem Erkrankungsstadium, gemessen etwa mit MRT, korrelieren. Ob sich ein Fortschreiten der MCI mit einem Teil der Proteine vorhersagen lässt, ermittelten sie mit der statistischen Naive-Bayes-Methode, einem Verfahren des maschinellen Lernens.

Im Durchschnitt entwickelten MCI-Patienten innerhalb von 375 Tagen M. Alzheimer. Zehn der 16 Eiweißmoleküle im Blut hatten den besten Vorhersagewert, darunter ApoC3, ICAM-1, RANTES sowie Cystatin C und Clusterin.

Ein Test mit den zehn Proteinen hätte eine Sensitivität von 85 Prozent und eine Spezifität von 88 Prozent. Bei 85 von 100 MCI-Patienten lässt sich somit sicher voraussagen, dass sie eine Alzheimer-Demenz innerhalb eines Jahres entwickeln. Bei 15 von 100 Patienten ist der Test falsch-negativ.

Anhand des Tests auf Basis der zehn Biomarker werden schließlich von 100 Gesunden nur 88 also solche identifiziert. Bei zwölf der 100 Gesunden ist der Test somit falsch-positiv.

Allerdings lag die Spezifität nur dann bei 88 Prozent, wenn in der Berechnung auch berücksichtigt wurde, ob die Proben von einem Patienten mit dem APO-E4-Genotyp stammten. Dieser Genotyp ist mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko assoziiert. Ohne Berücksichtigung dieses Genotyps lag der Wert für die Spezifität bei etwa 71 Prozent.

Die Ergebnisse dieser Studie müssen allerdings nach Angaben der Wissenschaftler in bevölkerungsgestützten Kohortenstudien überprüft werden. Das Augenmerk müsse dabei vor allem auf die Spezifität eines solchen Tests gerichtet werden und auf die Tatsache, dass die Biomarker auch bei anderen Störungen Veränderungen unterliegen, etwa bei Entzündungen, bei kardiovaskulären oder respiratorischen Störungen.

Zu prüfen sei auch, ob die zehn Biomarker spezifisch für Morbus Alzheimer oder auch bei anderen demenziellen Syndromen von Bedeutung sind. Schließlich sei es interessant herauszufinden, welcher Zusammenhang zwischen dem Auftauchen der zehn Proteine im Blut und der Entstehung von Beta-Amyloiden und Tau-Proteinen besteht.

Nach Angaben von Proteome Sciences könnte der Test in zwei Jahren erhältlich sein. Zugleich erinnert der Demenzforscher Dr. Eric Karran, Direktor der britischen Organisation Alzheimer's Research UK, daran, dass ein solcher Test derzeit für ein Screening der Bevölkerung ungeeignet ist, wie er in einer Mitteilung des King's College zitiert wird. (ple)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Test (noch) zum Vergessen

[04.08.2014, 13:39:41]
Doris Wroblewski 
Schreibfehler
Gerade habe ich Ihnen einen Kommentar zum oben genannten Artikel geschrieben. Dabei ist mir am Schluss ein Schreibfehler unterlaufen. Es muss heißen
"Lesen Sie dazu den gesamten Artikel von Dr. Mercola unter....
nicht Dr. Mertola!
Ich war dieser Tage hier in Portugal in Mertola, so dass dies wohl noch in meinem Unterbewusstsein gespeichert war.
Beste Grüße aus Portugal
Doris Wroblewski
www.azidosetherapie.com zum Beitrag »
[04.08.2014, 13:33:12]
Doris Wroblewski 
Hat das Protein TDP-43 eine Schlüsselfunktion?
Da ich mich seit langem mit dem Problem Alzheimer auseinandersetze und für das Netzwerk Frauengesundheit Artikel dazu geschrieben habe u.a. http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/moegliche-ursachen-und-schutz-vor-alzheimer-demenz/ finde ich die Möglichkeit eines Bluttestes besonders interessant. Sicher ist dieser Weg noch im Stadium der Forschung und deswegen noch mit Fehlern behaftet, aber meiner Ansicht nach ein richtiger Ansatz, auf den auch im Newsletter von Dr. Mercola vom 31. 07 2014 hingewiesen wird.
Dabei geht es um die mögliche Verbindung des Proteins TDP-43 und Alzheimer und es wird aus Forschungen berichtet, zitiert bei MedicineNet.com, die einen Zusammenhang zwischen pathologischen TDP-43-Werten und dem Ausbruch von Symptomen erkennen lassen.
“The study is unlike some others because it looked at two types of patients who were diagnosed with Alzheimer's after death -- those who showed symptoms in life and those who didn't.

Abnormal levels of TDP-43 were found in those who had the disease and were significantly affected by it... [T]he investigators found that those with abnormal levels of TDP-43 were 10 times more likely to have thinking problems such as memory loss at death than the other patients.

How could people have signs of Alzheimer's, but not have symptoms? That's not clear... But, maybe people who have [beta-amyloid] plaques and [tau] tangles don't develop symptoms unless they also have TDP-43, the researchers hypothesized.”

Ich glaube, dies ist eine interessante Frage, an deren Beantwortung sicher weiter geforscht wird und vielleicht lassen sich eben auch durch Bluttest auf TDP-43 frühe Informationen auf die Schwere der Krankheit bei den einzelnen Patienten finden.
Nicht vergessen sollte man aber den Hinweis auf die mögliche Ursache von erhöhten TDP-43-Werten: den Verzehr von Fleisch von infizierten Tieren!

Lesen Sie dazu den gesamten Artikel von Dr. Mertola unter
http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2014/07/31/alzheimers-mad-cow-chronic-wasting-disease.aspx?e_cid=20140731Z2_DNL_art_1&utm_source=dnl&utm_medium=email&utm_content=art1&utm_campaign=20140731Z2&et_cid=DM52188&et_rid=604065073
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