Ärzte Zeitung, 02.09.2016

Alzheimertherapie

Antikörper macht Hoffnung

Alzheimer ist bislang nicht heilbar. Doch mit einem Antikörper lassen sich zumindest die typischen Ablagerungen im Gehirn reduzieren.

Antikörper macht Hoffnung

Mit der neuen Therapie scheint sich die Verschlechterung der kognitiven Leistung zu verlangsamen.

© Patrick Pleul / dpa

CAMBRIDGE. Eine Antikörper-Therapie reduziert bei Alzheimer-Patienten die typischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Auch die fortschreitende Verschlechterung der Geisteskraft scheine sich zu verlangsamen, berichten Forscher aus den USA und der Schweiz (Nature 2016; 537: 50-56). Dieser positive Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten muss aber noch genauer untersucht werden.

Die Wissenschaftler um Alfred Sandrock vom US-Biotech-Unternehmen Biogen hatten insgesamt 165 Patienten mit leichten Alzheimer-Symptomen einmal monatlich mit dem Antikörper Aducanumab oder mit einem Scheinmedikament behandelt. Der Antikörper greift die für Alzheimer typischen Eiweiße an und sorgt für ihren Abbau.

Wertvolle Studie

"Das ist aus vielerlei Gründen eine sehr wertvolle Studie, unter anderem, weil es erstmals gelingt, mit einem Antikörper aggregierte Eiweiße zu reduzieren, im Tierversuch und im Menschen", kommentiert Theo Dingermann vom Biozentrum der Goethe Universität Frankfurt am Main, der an der Studie nicht beteiligt war.

"Dennoch muss man realistisch bleiben. Das ist eine Grundlagenstudie und von einer therapeutischen Anwendung ist man - auch wenn sich die guten Ergebnisse in größeren Studien bestätigten - noch Jahre entfernt." Dingermann sieht trotz der guten Ergebnisse ein großes Defizit der Studie: Die kleine Studiengruppe umfasse nur Patienten in sehr frühem Stadium der Erkrankung, die kaum Symptome zeigen.

In der Praxis werde Alzheimer aber sehr viel später diagnostiziert, wenn schon große Teile des Gehirns zerstört sind.

Greifen bisherige Medikamente zu spät ein?

Die bisher verfügbaren Alzheimer-Medikamente wirkten vermutlich deshalb nicht besonders gut, weil sie zu spät eingreifen. Das sei bei dem Antikörper womöglich nicht anders. "Was wir wirklich brauchen, ist eine frühe Diagnostik. Wenn wir die haben, würde ich große Summen auf den Antikörper setzen."

Ihre Ergebnisse bestätigten die Amyloid-Hypothese und rechtfertigten die Weiterentwicklung des Antikörpers zur Behandlung von Alzheimer, so die Forscher. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Studie darauf angelegt war, die Sicherheit des Präparats und die Auswirkung auf die Eiweißablagerungen zu prüfen. Die Auswirkung der Behandlung auf die klinischen Beschwerden der Patienten standen nicht im Mittelpunkt, die Ergebnisse dazu sollten deshalb mit Vorsicht interpretiert werden. (dpa)

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