Alzheimertherapie

Antikörper macht Hoffnung

Alzheimer ist bislang nicht heilbar. Doch mit einem Antikörper lassen sich zumindest die typischen Ablagerungen im Gehirn reduzieren.

Veröffentlicht:
Mit der neuen Therapie scheint sich die Verschlechterung der kognitiven Leistung zu verlangsamen.

Mit der neuen Therapie scheint sich die Verschlechterung der kognitiven Leistung zu verlangsamen.

© Patrick Pleul / dpa

CAMBRIDGE. Eine Antikörper-Therapie reduziert bei Alzheimer-Patienten die typischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Auch die fortschreitende Verschlechterung der Geisteskraft scheine sich zu verlangsamen, berichten Forscher aus den USA und der Schweiz (Nature 2016; 537: 50-56). Dieser positive Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten muss aber noch genauer untersucht werden.

Die Wissenschaftler um Alfred Sandrock vom US-Biotech-Unternehmen Biogen hatten insgesamt 165 Patienten mit leichten Alzheimer-Symptomen einmal monatlich mit dem Antikörper Aducanumab oder mit einem Scheinmedikament behandelt. Der Antikörper greift die für Alzheimer typischen Eiweiße an und sorgt für ihren Abbau.

Wertvolle Studie

"Das ist aus vielerlei Gründen eine sehr wertvolle Studie, unter anderem, weil es erstmals gelingt, mit einem Antikörper aggregierte Eiweiße zu reduzieren, im Tierversuch und im Menschen", kommentiert Theo Dingermann vom Biozentrum der Goethe Universität Frankfurt am Main, der an der Studie nicht beteiligt war.

"Dennoch muss man realistisch bleiben. Das ist eine Grundlagenstudie und von einer therapeutischen Anwendung ist man - auch wenn sich die guten Ergebnisse in größeren Studien bestätigten - noch Jahre entfernt." Dingermann sieht trotz der guten Ergebnisse ein großes Defizit der Studie: Die kleine Studiengruppe umfasse nur Patienten in sehr frühem Stadium der Erkrankung, die kaum Symptome zeigen.

In der Praxis werde Alzheimer aber sehr viel später diagnostiziert, wenn schon große Teile des Gehirns zerstört sind.

Greifen bisherige Medikamente zu spät ein?

Die bisher verfügbaren Alzheimer-Medikamente wirkten vermutlich deshalb nicht besonders gut, weil sie zu spät eingreifen. Das sei bei dem Antikörper womöglich nicht anders. "Was wir wirklich brauchen, ist eine frühe Diagnostik. Wenn wir die haben, würde ich große Summen auf den Antikörper setzen."

Ihre Ergebnisse bestätigten die Amyloid-Hypothese und rechtfertigten die Weiterentwicklung des Antikörpers zur Behandlung von Alzheimer, so die Forscher. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Studie darauf angelegt war, die Sicherheit des Präparats und die Auswirkung auf die Eiweißablagerungen zu prüfen. Die Auswirkung der Behandlung auf die klinischen Beschwerden der Patienten standen nicht im Mittelpunkt, die Ergebnisse dazu sollten deshalb mit Vorsicht interpretiert werden. (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kognitiver Abbau

Herpes-Mittel Valaciclovir kann Alzheimer laut Studie nicht verzögern

Frühe Nutzenbewertung

Alzheimer: Auch Donanemab fällt beim IQWiG durch

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Junge Frau im Rollstuhl

© Julia Zavalishina / stock.adobe.com

Interview

Was eine gute Reha beim Post-COVID-Syndrom ausmacht

Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist