Ärzte Zeitung, 29.01.2004

Komplikationsraten bei Diabetikern sind noch immer viel zu hoch

In einer US-Studie hatten mehr als 60 Prozent der Patienten einen zu hohen Blutdruck

BETHESDA (Rö). Bei Diabetikern sind verstärkte Anstrengungen nötig, die Komplikationsraten zu reduzieren. Dies bestätigen aktuelle Daten einer US-Studie und das Ergebnis der DEMAND-Studie.

Über die US-Situation hat jetzt Dr. Catherine Cowie vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Bethesda im US-Staat Maryland berichtet (JAMA 291, 2004, 335). Von den in der US-Studie NHANES 1999-2000 (National Health and Nutrition Examination Survey) in den beiden Jahren untersuchten Diabetikern hatten nur 36 Prozent einen Blutdruck unter 130 zu 80 mmHg, der heute für Diabetiker für erforderlich gehalten wird.

Selbst über der Grenze von 140 zu 90 mmHg lagen 40 Prozent. Damit ergab sich kein Fortschritt im Vergleich zu einer analogen Untersuchung vom Anfang der 90er Jahre.

Beim Gesamtcholesterin lagen immer noch 52 Prozent der Patienten über der Grenze von 200 mg pro Deziliter - zumindest ein leichter Fortschritt: In der früheren Studie waren es noch zwei Drittel gewesen.

Beim HbA1c haben die US-Wissenschaftler einen Grenzwert von sieben Prozent als Kriterium genommen. Damit waren gerade sieben Prozent der Diabetiker unterhalb aller drei Zielmarken.

Ähnlich ist die Situation in Deutschland. Zahlen zu Risikofaktoren und Erkrankungen bei Diabetikern hat Ende 2003 die internationale Studie DEMAND (Developing Education on Microalbuminuria for Awareness of ReNal and Cardiovascular Risk in Diabetes) geliefert. Unterstützt wurde sie von den Unternehmen Bristol-Myers Squibb und Sanofi-Synthelabo.

Danach sind Typ-2-Diabetiker vor allem beim Blutdruck Problem-Patienten: 78 Prozent liegen systolisch über 130 mmHg, 72 Prozent diastolisch über 80 mmHg. Dazu kommt: 23 Prozent haben eine KHK, 35 Prozent eine Mikroalbuminurie, bei 16 Prozent sind die Zahlen grenzwertig. Damit sind 50 Prozent "intensiv behandlungswürdig", wie Professor Eberhard Standl die Situation bei der Vorstellung der Daten in Frankfurt am Main bewertet hat.

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