Ärzte Zeitung, 02.03.2004

Welche Insulintherapie ist für Typ-2-Diabetiker geeignet?

Plädoyer für frühzeitige Behandlung mit Insulin, wenn mit oralen Antidiabetika keine ausreichende Blutzuckernormalisierung erreicht wird

MÜNCHEN (wst). Gelingt bei Typ-2- Diabetikern selbst mit kombinierten oralen Antidiabetika keine normnahe Blutzuckereinstellung mehr, sollte im Interesse einer bestmöglichen Prognose frühzeitig eine Insulintherapie addiert werden. Zur Auswahl steht dann die basalunterstützte orale Therapie mit einem lang wirksamen Insulin/Insulinanalogon oder aber eine prandiale Strategie mit einem kurzwirksamen Insulin/Insulinanalogon.

Für welche Option man sich entscheidet, hängt nicht nur ab von der Krankheitsausprägung sondern auch von den Möglichkeiten und Präferenzen der Patienten, wie Professor Eberhard Standl vom Krankenhaus München Schwabing auf dem von den Unternehmen Aventis und Bayer unterstützten Symposium "Diabetes 2004" in München gesagt hat.

Neu insulinpflichtigen Typ-2-Diabetikern mit hohen Nüchternblutzuckerwerten rät Standl eher zur basalunterstützten oralen Therapie (B.O.T.). Im Vergleich zu herkömmlichen NPH-Verzögerungsinsulinen gewährt hierbei das langwirksame Insulinanalogon Insulin glargin (Lantus® von Aventis) bei nur einmal täglicher Injektion einen kontinuierlicheren flachen Wirkstoffspiegel. Das Risiko vor allem nächtlicher Hypoglykämien ist damit deutlich verringert. Und auch das Gewicht könne so eher stabil gehalten werden als unter einer basalen Therapie mit NPH-Insulin, sagte Standl.

Stehen postprandiale Blutzuckerentgleisungen im Vordergrund, spricht dies - sofern der Patient dazu bereit und in der Lage ist - nach den Erfahrungen des Diabetologe eher für eine mahlzeitenbezogene Insulin-Strategie.

Ideal seien hier schnell wirksame Insulinanaloga wie Insulin aspart und Insulin lispro. Vor einer Hauptmahlzeit verabreicht, fluten diese Analoga schneller an und ab als kurz wirksame Alt-Insuline. Damit kappen sie Blutzuckerspitzen effektiver und erübrigen dennoch die bei Alt-Insulinen oftmals erforderlichen Zwischenmahlzeiten.

Beide Alternativen haben sich bewährt, um bei oral nicht mehr ausreichend behandelbaren Typ-2-Diabetikern wieder für längere Zeit einen HbA1c-Zielwert von unter 7 Prozent zu erreichen, wie Standl berichtete. Direkte Vergleichsstudien, die einen Vorteil der einen im Vergleich zur anderen Strategie belegen könnten, gebe es bislang nicht.

STICHWORT

Vorteile verschiedener Insulinstrategien

Entscheidender Vorteil der basalunterstützten oralen Therapie (B.O.T.) ist ihre einfache Umsetzbarkeit. Zusätzlich zur oralen Therapie ist nur einmal täglich eine Insulin-Injektion erforderlich. Der angestrebte Nüchternblutzucker-Spiegel ist mit einer einmal täglichen Messung ausreichend kontrolliert. Vorzug der prandialen Insulin-Strategie ist, daß sie in Abhängigkeit vom Kohlenhydratgehalt der Nahrung und der periprandialen Aktivität flexibel angepaßt werden kann. Sie kommt damit näher als die B.O.T. an physiologische Verhältnisse heran. (wst)

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