Ärzte Zeitung, 28.05.2004

Bei Kinder mit Diabetes ist Therapie mit Insulin lispro besonders flexibel

Dosis wird an Nahrungszufuhr und Bewegung angepaßt

HAMBURG (hbr). Essen und Bewegungsdrang sind bei Kindern und Jugendlichen nur begrenzt planbar. Eine Insulintherapie für Kinder mit Typ-1-Diabetes muß deshalb flexibel sein. Dafür eignet sich das kurzwirksame Insulin lispro.

Gerade bei Kleinkindern ließe sich kaum vorhersagen, wieviele Kohlenhydrate sie bei der nächsten Mahlzeit verzehren würden, sagte der Kinderdiabetologe Professor Thomas Danne vom Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. "Welches Kind weiß schon, ob die Spaghetti heute genauso schmecken wie sonst?", sagte Danne bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lilly in Hamburg. Das Berechnen der Insulinmenge, die vor dem Essen gespritzt wird, ist also schwierig. Essen die Kinder anschließend zuviel, dann steigt der Blutzucker zu stark. Essen sie zu wenig, droht eine Hypoglykämie. Ein ähnliches Problem stelle sich auch bei der schwer kalkulierbaren Nahrungsaufnahme alter Menschen, die unter Umständen sogar nach dem Spritzen das Essen vergessen, so der Diabetologe.

Bei Kindern wie bei alten Menschen in den genannten Situationen bietet das kurzwirksame Insulin lispro (Humalog®) Vorteile: Es wirkt schneller und kürzer als Normalinsulin. Ein Spritz-Eß-Abstand kann entfallen. Die Injektion kann direkt vor dem Essen erfolgen, aber auch direkt danach, wenn klar ist, wieviel gegessen wurde.

Das belegte eine Studie mit 61 Kindern unter 11,5 Jahren, die als Mahlzeitenbolus vor dem Essen Normal-insulin oder Insulin lispro erhielten. Eine dritte Gruppe verwendete das Insulinanalogon nach dem Essen. In dieser dritten Gruppe war die Blutglukose zwei Stunden nach dem Essen um 65 mg/dl gestiegen, deutlich weniger als mit Normalinsulin (88 mg/dl). Wurde das Insulinanalogon vor dem Essen injiziert, ergab das erwartungsgemäß mit nur 23 mg/dl Zunahme die besten Blutglukosewerte.

In einer anderen, doppelblinden, randomisierten Crossover-Studie injizierten Jugendliche vor dem Abendessen eine identische Dosis eines Normalinsulins oder des Analogons. Erwartungsgemäß war der Insulinspitzenwert des Analogons zunächst höher. Im weiteren Nachtverlauf aber lag der mittlere Insulinspiegel mit 146 pmol/l deutlich unter dem Wert des Normalinsulins mit 184 pmol/l. Damit ist auch das Unterzuckerungsrisiko niedriger, sagte Danne. Die Verwendung beim Abendessen könne sinnvoll sein, wenn Familien spät essen und das Kind Probleme mit nächtlichen Unterzuckerungen hat. Ein weiterer Vorteil des Analogons: Es kann auch in der Insulinpumpen-Therapie eingesetzt werden.

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