Ärzte Zeitung, 05.10.2004

Acarbose-Therapie bremst Zunahme der Intima-Media

Studie mit Ultraschall-Untersuchungen an der Carotis

HANNOVER (hbr). Acarbose verringert die Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit gestörter Glukosetoleranz und Typ-2-Diabetes. Eine neue Studie hat belegt, daß Acarbose auch die Intima-Media-Dicke günstig beeinflußt.

"Die Ergebnisse legen den Einsatz von Acarbose bei Patienten mit gestörter Glukosetoleranz oder Typ-2-Diabetes und koronarer Herzerkrankung nahe", sagte PD Uwe Zeymer vom Klinikum Ludwigshafen beim Diabeteskongreß in Hannover.

Die Stop-NIDDM-Studie (Study To Prevent Non Insulin Dependent Diabetes Mellitus) belegte dies für etwa 1400 Patienten mit postprandialer Hyperglykämie zwischen 140 und 199 mg/dl (IGT). Sie erhielten 3,3 Jahre dreimal täglich 100 mg Acarbose (Glucobay®) oder ein Placebo. Das Ergebnis: Mit Acarbose waren kardiovaskuläre Ereignisse signifikant um 49 Prozent und Herzinfarkte um 91 Prozent seltener (ein Infarkt im Vergleich zu zwölf Infarkten).

Die Daten wurden von einem unabhängigen Expertengremium aus drei Kardiologen begutachtet. "Nur wenn alle drei sich einig waren, daß ein Endpunkt einem Infarkt entspricht, wurde es in die Wertung aufgenommen", so Zeymer bei einem Symposium von Bayer Vital. Dazu wurden die vor und nach der Studie erstellten EKGs verglichen, um stumme Infarkte zu erfassen. Es zeigte sich "eine erhebliche Verminderung durch Acarbose".

Auch bei Typ-2-Diabetikern war bei Acarbosetherapie die Zahl kardiovaskulärer Ereignisse signifikant verringert, so Zeymer. In einer Meta-Analyse sieben internationaler Studien wurden die Daten von 2180 Typ-2-Patienten bewertet. 1248 erhielten Acarbose, 932 ein Placebo. Im Vergleich zu Placebo waren mit Acarbose nach im Mittel 1,5 Jahren Herzinfarkte um 64 Prozent seltener.

Neu belegt eine Stop-NIDDM-Substudie für Acarbose einen günstigen Effekt auf die Intima-Media-Dicke (IMT) der Carotis. Die IMT als Marker für das Fortschreiten einer Gefäßerkrankung wurde zu Beginn und nach 3,9 Jahren bei 115 Patienten (Acarbose: 56, Placebo: 59) mit Ultraschall vermessen. Mit Acarbose war der IMT-Anstieg kleiner: 0,02 mm im Vergleich zu 0,05 mit Placebo.

Bei einer Untersuchung in Ludwigshafen hatten von 3266 koronarangiografierten Patienten 17 Prozent einen bekannten Diabetes, bei 18 Prozent wurde er neu diagnostiziert. Normale Glukosetoleranz hatte nur ein Drittel. Daten des Euro Heart Survey mit über 4000 Patienten mit chronischer KHK oder akutem Koronarsyndrom (ACS) belegen bei jedem dritten einen Diabetes. Bei den übrigen ACS-Patienten wurde bei jedem fünften ein Diabetes neu entdeckt und bei jedem dritten eine IGT.

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