Ärzte Zeitung, 06.09.2004

Bei Diabetes enthält Plasma schon früh zuviel freie Fettsäuren

Sowohl Hyperglykämie als auch Triglyzeridämie werden gesteigert / Seltener Diabetes bei behandelten Patienten mit Dyslipidämie

HANNOVER (grue). Typ-2-Diabetes wird heute nicht mehr als reine Störung des Glukosestoffwechsels verstanden, sondern als komplexe metabolische Entgleisung. Für die Pathogenese scheint die Störung des Fettstoffwechsels ebenso bedeutend zu sein wie die Störung des Zuckerstoffwechsels.

Darauf hat Professor Markolf Hanefeld aus Dresden bei einer Veranstaltung des Unternehmens Merck KGaA in Hannover hingewiesen. So sind bereits in sehr frühen Stadien der Erkrankung die freien Fettsäuren im Plasma erhöht. Sie stammen vorwiegend aus dem Adipozyten-Fettdepot und steigern die Hyperglykämie. In der Leber führt der Fettsäure-Überschuß zu einer vermehrten Synthese von Triglyzeriden.

Bei einer Insulinresistenz gibt es deshalb charakteristische Veränderungen im Lipidprofil, wie die Ergebnisse der epidemiologischen San Antonio Heart Study ergeben haben. Bei Prädiabetikern, die im Verlaufe der Beobachtungszeit Typ-2-Diabetes entwickelten, fanden sich im Vergleich zu Kontrollpersonen deutlich erhöhte Triglyzerid-Werte und doppelt so hohe Nüchterninsulin-Spiegel. Auch bei neu entdeckten Diabetikern der UKPD-Studie fielen erhöhte Triglyzeride und niedriges HDL-Cholesterin auf. Gleiches fand sich bei Männern, die in der PROCAM Studie Typ-2-Diabetes entwickelten.

Menschen mit Hypertriglyzeridämie und niedrigem HDL-Cholesterin haben nach Angaben von Professor Armin Steinmetz aus Andernach ein hohes Diabetes-Risiko. Diese Patienten benötigen eine engmaschige Blutzuckerkontrolle und mitunter auch einen oralen Glukosetoleranztest, um eine gestörte Glukosestoffwechsellage frühzeitig aufzudecken.

"In der Reihenfolge Hyperinsulinämie, Adipositas und Hyperlipidämie sind diese Phänomene des Metabolischen Syndroms zugleich Prädiktoren für die Manifestation eines Diabetes", so Steinmetz. Die postprandiale Hypertriglyzeridämie gilt als zusätzliches Merkmal des gestörten Lipidmetabolismus in der Frühphase.

Bekannt ist, daß Menschen mit Fettstoffwechselstörung bei einer Statin- oder Fibrattherapie seltener Diabetes mellitus entwickeln als unbehandelte Personen. "Daraus resultiert die Empfehlung, bei einer Dyslipidämie, vor allem bei einem niedriges HDL-Cholesterin, schon in der Frühphase der Entstehung des Typ- 2-Diabetes zu behandeln", sagte Steinmetz. Das neue, retardierte Niacin-Präparat Niaspan® des Unternehmens führt dosisabhängig zu einem HDL-Anstieg von durchschnittlich 25 Prozent und ist damit bei niedrigem HDL noch effektiver als Fibrate oder Statine.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »