Ärzte Zeitung, 31.08.2004

LDL-Wert von 100 mg/dl ist für Diabetiker nicht tief genug

Aktuelle Studien legen stärkere Absenkung nahe

BERLIN (gvg). Die verbreitete Praxis, sich bei der lipidsenkenden Therapie bei Diabetikern an einem Schwellenwert von 100 mg/dl für das LDL-Cholesterin zu orientieren, wird von Diabetes-Spezialisten zunehmend kritisch gesehen. Im Licht neuer Studien plädieren immer mehr Diabetologen für ein "je niedriger, desto besser".

"Spätestens seit der CARDS-Studie ist die konsequente Absenkung der Serumlipidwerte bei Typ 2-Diabetikern ein Muß", sagte Dr. Volker Kroll, Diabetologe aus Markdorf am Bodensee, auf einem Diabetes-Symposium in Berlin. Bei dieser Veranstaltung des Diabetes Lecture Transfers (DiaLecT) wurden mit Unterstützung des Unternehmens Berlin-Chemie wichtige Ergebnisse der Tagung der American Diabetes Association an deutsche Diabetologen vermittelt.

An der CARDS-Studie hatten mehr als 2800 Typ-2-Diabetiker, bei denen eine KHK nicht bekannt war, teilgenommen. Trotz des niedrigen durchschnittlichen LDL-Wertes zu Beginn von 120 mg/dl waren schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei den Patienten, die ein niedrig dosiertes Statin erhalten hatten, nach viereinhalb Jahren um mehr als ein Drittel weniger häufig als bei Placebo.

"Selbst ein LDL-Wert von 100 mg/dl ist nicht niedrig genug", so Kroll. Für eine stärkere Absenkung des LDL spreche auch das Abschneiden der 734 Typ 2-Diabetiker in der PROVE-IT-Studie. Dort wurde der Nutzen einer hochdosierten Statintherapie bei Hochrisikopatienten nach einem koronaren Ereignis evaluiert.

Die Zahl schwerer kardiovaskulärer Ereignisse lag in der Hochdosisgruppe signifikant niedriger als in der Gruppe mit der niedrigen Dosis. "das galt auch für die Diabetiker in der Studie", so Kroll. Er plädierte daher dafür, das Schwellenwertkonzept zu verlassen und bei Diabetikern je nach individuellem Risiko einen möglichst niedrigen LDL-Wert anzustreben.

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