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Gestörte Schilddrüsen-Funktion läßt Diabetes entgleisen

MÜNCHEN (wst). Schilddrüsenfunktions-Störungen beeinträchtigen die Diabeteskontrolle. In Deutschland leben mindestens sechs Millionen Diabetiker, und 20 Millionen Menschen haben eine Struma. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Patient Diabetes und gleichzeitig eine Schilddrüsenerkrankung hat, ist damit hoch. Kontrollen der Schilddrüsenfunktion, gegebenenfalls eine Schilddrüsentherapie sowie Anpassung der Diabetestherapie sind deshalb wichtig.

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Darauf hat Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Krankenhaus München-Bogenhausen auf dem 2. Münchener Schilddrüsensymposium aufmerksam gemacht. Wie die Endokrinologin auf der vom Unternehmen Merck KGaA unterstützten Veranstaltung erläuterte, kann bereits eine subklinische Hyperthyreose - wenn also lediglich das TSH erniedrigt ist, die Hormone aber noch normal sind - die Blutzuckerwerte massiv nach oben treiben.

Denn bei Hyperthyreose sind die Insulinresistenz verstärkt, die Insulinsensitivität in der Peripherie vermindert sowie die Insulinsekretion gehemmt. Außerdem ist die intestinale Glukoseaufnahme vermehrt zugleich die Freisetzung von Glukagon und damit wiederum die Glykogenolyse in der Leber forciert. Bis die Schilddrüsenfunktion wieder normalisiert ist, etwa medikamentös, durch Operation oder Radiojodtherapie, muß deshalb die antidiabetische Therapie intensiviert werden.

Eine Hypothyreose hat gegenteilige Auswirkungen auf den Zuckerstoffwechsel. Davon betroffene Diabetiker neigen also zu Hypoglykämien. Ein solches Risiko wird jedoch durch eine Substitution mit L-Thyroxin (etwa Euthyrox®) rasch reduziert.

Damit Schilddrüsenfunktions-Störungen nicht erst offensichtlich werden, wenn der Glukosestoffwechsel entgleist empfiehlt Schumm-Draeger, bei allen Diabetikern einmal jährlich TSH als sensibelsten Marker für beginnende Funktionsstörungen zu bestimmen. Typ-1-Diabetiker sowie besonders Frauen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, eine Autoimmunthyreoiditis zu bekommen. Bei ihnen sollte zusätzlich einmal jährlich nach Antikörpern gegen Schilddrüsenperoxidase (TPO-Antikörper) im Blut gefahndet werden.



STICHWORT

Diabetes und Autoimmunthyreoiditis

Vermutlich wegen einer genetischen Disposition zu Autoimmun-Endokrinopathien entwickeln Typ-1-Diabetiker nach Angaben von Professor Petra Schumm-Draeger drei- bis fünfmal so häufig eine Autoimmunthyreoiditis wie der Bevölkerungsdurchschnitt. Zwischen einem Typ-2-Diabetes und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse gibt es dagegen nach gegenwärtiger Erkenntnis keinen kausalen Zusammenhang. Dennoch haben speziell Frauen jenseits des 50sten Lebensjahres gehäuft sowohl Diabetes als auch eine Autoimmunthyreoiditis. Denn beide Krankheiten manifestieren sich bevorzugt in diesem Alter. Auch ist bekannt, daß Frauen insgesamt fünf- bis zehnmal so häufig wie Männer von Autoimmunthyreoiditiden betroffen sind. (wst)

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