Ärzte Zeitung, 07.09.2004

Inhaliertes Insulin bessert Blutzucker-Kontrolle

Neuartiges Insulin-Präparat  ist sowohl in Monotherapie als auch in Kombination mit oralen Antidiabetika günstig

MÜNCHEN (hbr). Bei Typ-2-Diabetikern, deren Stoffwechsel mit oralen Antidiabetika nicht befriedigend eingestellt ist, verbessert inhalierbares Insulin die Blutzucker-Kontrolle. Die Stoffwechselwerte verbessern sich sowohl bei Monotherapie mit dem Insulin als auch in Kombination mit Tabletten, wie eine Studie ergeben hat.

An der Untersuchung haben 309 Patienten mit Typ-2-Diabetes teilgenommen, wie Professor Werner Scherbaum vom Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut berichtet hat. Die Patienten hatten mit zwei oralen Antidiabetika (Metformin und Sulfonylharnstoff) keine zufriedenstellende Blutzucker-Kontrolle mehr erreicht. Sie wurden für die dreimonatige Studie je einer von drei Gruppen zugeordnet: Die erste Patienten-Gruppe wurde weiter mit den oralen Antidiabetika behandelt. Die zweite Patienten-Gruppe inhalierte zusätzlich zu den Mahlzeiten Insulin, und Patienten-Gruppe drei erhielt eine Monotherapie aus inhalierbarem Insulin zum Essen.

In der Gruppe mit unveränderter oraler Therapie verringerte sich der HbA1c-Wert nicht signifikant (von 9,3 auf 9,1 Prozent). Bei den Patienten mit Insulin-Monotherapie sank der HbA1c- Wert von 9,3 auf 7,9 Prozent. Am besten schnitt aber die Gruppe mit inhalierbarem Insulin und Tabletten ab: Sie erreichte eine Reduktion von 9,2 auf 7,3 Prozent, berichtete Scherbaum während des Europäischen Diabeteskongresses in München. Entsprechend schafften in dieser Gruppe auch mit 86 Prozent die meisten Patienten einen HbA1c-Wert von unter acht Prozent. Mit dem inhalierbaren Insulin alleine blieben 56 Prozent darunter, mit den Tabletten nur 19 Prozent, sagte Scherbaum bei einer von Aventis Pharma und Pfizer unterstützten Veranstaltung.

Als effektiv erwies sich das inhalierbare Insulin auch bei bereits insulinbehandelten Typ-2-Diabetikern. Hier wurden zwei Therapieregime mit jeweils sowohl basaler als auch prandialer Insulinkomponente verglichen. Die 298 Teilnehmer dieser Untersuchung wurden zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe injizierte einmal täglich das basale Insulin Ultralente und verwendete zu den Mahlzeiten das inhalierbare Insulin. Die zweite Gruppe applizierte zweimal täglich ein Mix-Insulin aus basalem NPH (Neutral Protamin Hagedorn)-Insulin und Normalinsulin.

Mit beiden Therapien wurde der HbA1c-Wert ähnlich gut gesenkt. Überraschend war: Mit dem inhalierbaren Insulin legten die Patienten in den sechs Studienmonaten nicht einmal 500 Gramm zu, im Vergleich zu den Patienten der zweiten Gruppe, die mehr als 1,5 kg zunahmen.

Das inhalierbare Insulin wird zur Zeit von Pfizer und Aventis entwickelt, es ist noch nicht auf dem Markt.

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