Ärzte Zeitung, 08.09.2004

Plädoyer für frühe Glitazon-Therapie bei Diabetes

Studien belegen Vorteil im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen / Kardiovaskuläre Risikofaktoren werden verringert

MÜNCHEN (sto). Wird ein Typ-2-Diabetes neu diagnostiziert, steht meist nicht der Insulinmangel, sondern die Insulinresistenz im Vordergrund. Primäres Ziel der Therapie sollte nach Angaben von Privatdozent Jochen Seufert von der Uni Würzburg deshalb die Verbesserung der Insulinsensitivität sein.

Mit einem Insulinsensitizer wie Pioglitazon (Actos®) lasse sich die Insulinresistenz gezielt mindern und ein erhöhter Insulinspiegel senken, berichtete Seufert beim Europäischen Diabeteskongreß in München. So werde eine anhaltende Blutzuckerkontrolle erreicht. In einer Mono-therapiestudie etwa lag die Zunahme des HbA1c-Wertes während der Studie mit Pioglitazon im Durchschnitt bei nur 0,25 Prozent, mit Gliclazid, einem Sulfonylharnstoff, über 0,85 Prozent.

Pioglitazon wirkt sich auch langfristig günstig auf die Blutzuckerkontrolle aus. In Vergleichsstudien über 110 Wochen ist die glykämische Kontrolle mit Pioglitazon und Sulfonylharnstoffen innerhalb der ersten sechs Monate ähnlich. Dann lasse allerdings die Wirkung der Sulfonylharnstoffe nach, der Effekt von Pioglitazon bleibe aber über mehr als zwei Jahre konstant, berichtete Seufert bei einem Symposium von Takeda.

Weil Übergewicht, Fehlernährung und mangelnde Bewegung nicht nur oft Ursache für Typ-2-Diabetes sind, sondern ebenso kardiovaskuläre Risikofaktoren, bessere die Behandlung mit Glitazonen auch das kardiovaskulären Risikoprofil, so Seufert. Glitazone wirken zudem günstig auf Dyslipoproteinämie, Hypertonie, Mikroalbiminurie und endotheliale Dysfunktion.

In der PROactive-Studie mit 5238 Typ-2-Diabetikern mit einer kardiovaskulären Erkrankung wird nun untersucht, ob Pioglitazon im Vergleich zu einer leitlinienorientierten Standardtherapie die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität senkt. "Dies ist die erste große Endpunkt-Studie nach der UKPD-Studie von 1998", sagte Seufert. Erste Ergebnisse werden nächstes Jahr erwartet.

STICHWORT

Glitazone

Glitazone wirken als Insulinsensitizer auf molekularer Ebene am PPAR-Gamma-Rezeptor und führen über die vermehrte Produktion von Glukosetransportern zur verbesserten und verstärkten Glukoseaufnahme in die Zelle. Damit greifen sie direkt in den für die Pathogenese des Typ-2-Diabetes entscheidenden Mechanismus ein. Die volle Wirkung der Glitazone ist erst nach sechs bis acht Wochen zu erwarten. Sie beeinflussen möglicherweise auch den Fettstoffwechsel, indem sie ein Gen aktivieren, das für den Fettabbau wichtig ist.

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