Ärzte Zeitung, 09.09.2004

Insulindetemir bändigt sogar Brittle-Diabetes

Berichte aus der Praxis bestätigen gute Effekte auf das Blutzuckerprofil, selbst bei zuvor starken Schwankungen

MÜNCHEN (hbr). Mit dem neuen Insulindetemir zur basalen Insulinversorgung sind in Studien mit Typ-1-Diabetikern weniger nächtliche Hypoglykämien aufgetreten als mit NPH-Insulin. Auch die individuelle blutzuckersenkende Wirkung war besser reproduzierbar und vorhersagbar als mit anderen Basalinsulinen. Dieser Vorteil scheint sich auch bei der Anwendung in der Praxis zu bestätigen.

Über entsprechende Beobachtungen berichtete Dr. Rolf Renner beim europäischen Diabetologenkongreß in München. So konnte er mit dem neuen Basalinsulin (Levemir®) instabile Blutzuckerverläufe bei seinen Patienten verbessern - zum Teil drastisch. Die Hypoglykämieraten seien schon in den ersten Tagen zumindest halbiert worden, betonte er auf einer Veranstaltung des Unternehmens Novo Nordisk. "In einigen Fällen gingen sie sogar auf Null zurück."

Die positiven Auswirkungen der Therapie mit dem Insulinanalogon bestätigten auch die drei Patienten, die der Diabetologe zum Kongreß mitgebracht hatte. Alle hatten sich zuvor trotz mehrerer Therapieänderungen mit starken Blutzucker-Schwankungen und Hypoglykämien geplagt.

Eine junge Typ-1-Patientin rettete sich vor den teilweise mehrmals täglich auftretenden Unterzuckerungen mit bis zu zwölf Blutzucker-Messungen am Tag. Durch die Umstellung auf Insulindetemir gelang es, in wenigen Wochen ein ausgeglichenes Blutzuckerprofil zu erreichen. Hypoglykämien wurden rar, und der Nüchternwert blieb unter 100 mg/dl - vorher war er doppelt so hoch.

Beim zweiten Patienten, seit 19 Jahren Typ-1- Diabetiker, verschwanden vom ersten Therapietag an die nächtlichen Hypoglykämien. "So etwas habe ich noch nie erlebt", berichtete er. Auch sein Zuckerprofil normalisierte sich rasch.

Diese positiven Erfahrungen, bestätigten sich auch bei der dritten Patientin. Sie hatte nach Entfernung des Pankreas einen Brittle-Diabetes. Diese Diabetesform ist durch extrem schwankende Blutzuckerwerte gekennzeichnet, in diesem Fall von 37 bis 270 mg/dl, und durch häufige Hypoglykämien: "Kaum hat man eine Therapie gefunden, ist sie nach zwei Tagen nichts mehr wert", beschrieb Renner das Problem.

Mit zwei Injektionen des neuen basalen Analoginsulins täglich wurde es gelöst: Die Hypoglykämien verschwanden, der Nüchternblutzucker blieb fortan unter 120 mg/dl. Die Blutzuckerwerte der Patientin bewegen sich seither fast ausschließlich zwischen 100 und 160 mg/dl.

Injiziert wird das Basalinsulin entweder in das subkutane Fettgewebe am Bauch oder am Oberschenkel. Die Umstellung vom vorher benutzten Basalinsulin auf Insulindetemir verlief bei allen Patienten problemlos, berichtete der Münchener Diabetologe.

Ausführliche Informationen zum Kongreß: www.easd.org

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