Ärzte Zeitung, 13.09.2004

Neuer Wirkstoff senkt Blutzucker und Körpergewicht

Exenatide steigert wie ein natürliches Darmhormon nach dem Essen die Insulinsekretion / HBA1C-Werte werden signifikant gesenkt

MÜNCHEN (hbr). Eine neue Option zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern könnte künftig der Wirkstoff Exenatide werden. In Phase-3-Studien hat er den HbA1c-Wert gesenkt. Zudem wurde dabei das Gewicht der Patienten reduziert.

Das hat Professor John Buse von der Universität von North Carolina beim Europa-Kongreß der Diabetologen in München berichtet. Exenatide steigert wie das Darmhormon GLP-1 (Glucagon-like-Peptide 1) nach dem Essen die Insulinsekretion. Die Wirkspiegel dieses Darmhormons sind bei Typ-2-Diabetikern erniedrigt.

Die Wirksamkeit von Exenatide wurde in drei Phase-3-Studien jeweils 30 Wochen überprüft. Teilnehmer waren etwa 1400 Patienten, deren Stoffwechseleinstellung mit oraler Medikation unbefriedigend war. Sie führten ihre ursprüngliche Therapie fort und injizierten zusätzlich zweimal täglich subkutan fünf Mikrogramm Exenatide, zehn Mikrogramm Exenatide oder ein Placebo.

Bei den 336 Teilnehmern der ersten der drei Studien, die als Basismedikation mindestens 1500 mg Metformin täglich einnahmen, reduzierten zweimal zehn Mikrogramm Exenatide den HbA1c von 8,2 Prozent signifikant um 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zum Placebo.

In der zweiten Studie mit 377 Patienten, die maximale Dosen an Sulfonylharnstoff erhielten, verringerten die Patienten, die zehn Mikrogramm gespritzt hatten, ihren HbA1c-Wert von 8,6 signifikant um einen Prozentpunkt. Dabei war die Senkung bei HbA1c-Werten über neun Prozent mit 1,2 Prozentpunkten besonders ausgeprägt.

Bei den 733 Teilnehmern der dritten Studie betrug der HbA1c zu Beginn 8,5 Prozent. Sie hatten bereits seit neun Jahren Diabetes, ihre Basismedikation bestand aus einer Metformin-Sulfonylharnstoff-Kombination. Mit der Zugabe von zweimal zehn Mikrogramm Exenatide sank der Wert im Vergleich zu Placebo um einen Prozentpunkt.

Bereits zweimal fünf Mikrogramm Exenatide bewirkten eine signifikante HbA1c-Reduktion: um 0,5 bei der Therapie mit Metformin, um 0,6 bei der Behandlung mit Sulfonylharnstoff und um 0,8 Prozentpunkte bei oraler Kombinationstherapie, berichtete Buse bei einer Veranstaltung der Unternehmen Amilyn und Lilly.

Zudem verringerte sich das Gewicht: Im Vergleich zu den Patienten, die ein Placebo injizierten, verloren die Patienten mit dem neuen Wirkstoff zusätzlich an Gewicht. Am meisten ausgeprägt war dieser Effekt bei zweimal zehn Mikrogramm Exenatide: 2,5 Kilogramm waren es in der Metformingruppe, am geringsten war der Effekt mit 0,7 Kilogramm in der Kombinationsgruppe. Häufigste unerwünschte Wirkung war leichte bis moderate Übelkeit zu Beginn.

Exenatide ist zur Therapie in Europa noch nicht zugelassen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »