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Ärzte Zeitung, 02.11.2004

Diabetiker haben erhöhtes Risiko für renale Anämien

Wird der Hämoglobin-Spiegel angehoben, läßt sich Gefäßkomplikationen vorbeugen / Niedrige Werte beschleunigen die Retinopathie-Entwicklung

BASEL (grue). Bei Diabetikern ist das Risiko für renale Anämien erhöht, auch wenn die Nieren noch relativ gut arbeiten. Wird der Hämoglobin-Spiegel angehoben, lassen sich womöglich Gefäßkomplikationen vermeiden.

Die Anämierate beträgt bei Diabetikern etwa 18 Prozent, wenn die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) zwischen 50 und 60 ml/min bei 1,73m2 Körperoberfläche liegt. Diese Filterleistung entspricht einer chronischen Nierenerkrankung mit mäßig eingeschränkter Nierenfunktion. Nicht-Diabetiker haben bei einer solchen Nierenleistung nur zu etwa fünf Prozent eine Anämie.

  Anämierate ist schon erhöht, wenn Nieren
noch relativ gut arbeiten.

Darauf hat Professor Eberhard Ritz von der Universität Heidelberg auf einer Veranstaltung des Unternehmens Amgen in Basel hingewiesen. Auch in anderen Stadien der Nierenerkrankung haben Diabetiker relativ häufig eine Anämie, sagte Ritz. Dafür sprechen niedrige Erythropoetin (EPO)-Spiegel und Hämoglobin-Werte unter 11 mg/dl.

"Werden die Patienten wegen der Anämie nicht behandelt, schreitet die diabetische Nephropathie weiter fort", so Ritz. "Außerdem drohen mikrovaskuläre Komplikationen". Für die Therapie steht zum Beispiel Darbepoetin alfa (Aranesp®) zur Verfügung.

Niedrige Hämoglobin-Werte beschleunigen etwa die Entwicklung einer diabetischen Retinopathie, auch bei Patienten ohne Bluthochdruck. Wird das Hämoglobin auf Werte über 12,5 mg/dl angehoben, gibt es bei Diabetikern mit sonst guter Stoffwechseleinstellung weniger neue Mikroinfarkte der Retina. EPO-Rezeptoren wurden auch im Herzen und im ZNS nachgewiesen. Passend dazu ist in einer klinischen Pilotstudie bei Patienten mit Hirninfarkt belegt worden, daß hohe EPO-Dosen die Infarktgröße vermindern.

Erythropoetin funktioniere in vielen Organen wie ein molekularer Sauerstoff-Sensor und scheine an der Gefäßreparatur beteiligt zu sein, ergänzte Professor Kai-Uwe Eckardt von der Universität Erlangen-Nürnberg. Er spricht dem Hormon pleiotrope Wirkungen zu, die aber noch näher untersucht werden müssen. So scheinen hohe EPO-Dosen auch die Gefäßneubildung zu stimulieren, was bei der EPO-Therapie von Patienten mit Tumoren berücksichtigt werden müsse.

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