Ärzte Zeitung, 18.11.2004

Moderne Stents bei erhöhtem Risiko gefordert

Register belegt Bedarf

DRESDEN (hbr). Bei Typ-2-Diabetikern mit akutem Koronarsyndrom könnte die häufigere Verwendung medikamenten-freisetzender Stents die Therapie-Ergebnisse verbessern, sagt Professor Dieter Horstkotte vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen.

Einen Optimierungsbedarf belegt das MITRA-Plus-Register (Maximal Individual Therapy of Acute Myocardial Infarction). Es enthält Daten von 35 000 Infarkt-Patienten, jeder vierte von ihnen hat Diabetes. In dieser Gruppe war die Komplikationsrate nach Infarkt höher. Und diese Patienten starben häufiger im Krankenhaus, so Horstkotte bei einem Symposium des Bundesverbandes niedergelassener Kardiologen in Dresden, das vom Unternehmen Sanofi- Synthelabo unterstützt worden ist.

Die Daten-Analyse belegte, daß nur bei 50 Prozent der Diabetiker eine gefäßerweiternde Therapie gemacht wurde, aber bei 62 Prozent der Nichtdiabetiker.

Von den Diabetes-Patienten ohne Rekanalisation starben 83 Prozent. Mit PTCA und Lyse überlebten im Gegensatz dazu 95 und 92 Prozent. Mit insgesamt 23 Prozent weniger Rekanalisationen, einem Viertel weniger PTCAs und 21 Prozent seltenerer Lysetherapie hatten die Diabetiker schlechtere Aussichten als die übrigen Patienten.

Typische Besonderheiten machen bei Diabetikern Koronarinterventionen schwieriger als bei Nichtdiabetikern: Die Patienten sind meist älter, dicker, haben öfter eine Hypertonie, endotheliale Dysfunktion und Hyperkoagulabilität. Mehrgefäßerkrankungen sind bei ihnen häufiger. Ein eher diffuser Befall des Gefäßsystems und ein kleinerer Durchmesser der betroffenen Gefäße erfordert aber zum Beispiel bei der Versorgung mit einem Stent dünne und lange Gefäßstützen - was mit einem erhöhten Restenoserisiko verknüpft ist.

Abhilfe schaffen könnte dabei, neue medikamenten-freisetzende (drug eluting (DE)) Stents anstelle der konventionellen zu verwenden: Damit fällt die Restenoserate in den Stents bei Diabetikern unter zehn Prozent. So betrug diese Rate bei Stents mit Sirolimus-Freisetzung nach neun Monaten acht statt mehr als 20 Prozent. Zusätzlich verwendet Horstkotte bei DE-Stents sechs Monate lang den Thrombozyten-Funktionshemmer Clopidogrel, den das Unternehmen als Plavix® anbietet.

In den USA und in Portugal erhält jeder zweite Patient einen DE-Stent, hier nur jeder vierzehnte.

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