Ärzte Zeitung, 19.10.2004

Antikonvulsivum Topiramat reduziert Schmerz und Gewicht

Zweifacher Nutzen bei Diabetikern mit neuropathischen Schmerzen

DALLAS (run). Bei einer schmerzhaften Neuropathie bringen klassische Analgetika oft keine ausreichende Linderung. Von einer Therapie mit dem Antikonvulsivum Topiramat könnten Patienten jedoch gleich in zweifacher Hinsicht zu profitieren: Die Schmerzen lassen deutlich nach, und es kommt zu einer Gewichtsreduktion.

Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler in einer Studie mit 323 Patienten mit schmerzhafter diabetischer Neuropathie gekommen. In der randomisierten Untersuchung wurden 214 der Patienten zwölf Wochen lang mit Topiramat (in Deutschland als Topamax® auf dem Markt) behandelt.

Die Dosis wurde dabei bis auf 400 mg pro Tag oder bis zur maximal verträglichen Dosis gesteigert. Die anderen Patienten erhielten Placebo. Rationale für die Antikonvulsiva-Therapie ist, die bei einer Neuropathie gestörte Nervensignalübertragung zu regenerieren.

Wie Dr. Philip Raskin von der Medizinischen Hochschule in Dallas im US-Staat Texas und seine Kollegen berichten, sprach die Hälfte der Patienten auf die Topiramat-Behandlung an. Unter Placebo waren es nur 34 Prozent (Neurology 63, 2004, 865). Als Ansprechen galt dabei eine Schmerzreduktion um mindestens 30 Prozent auf einer visuellen Schmerzskala mit bis zu 100 Punkten (schlimmster Schmerz). Dies entspreche einer klinisch relevanten Schmerzminderung, so die Wissenschaftler.

Zu Studienbeginn hatten die Patienten eine Schmerzintensität von mindestens 40 Punkten angegeben. Mit dem Verum nahm nun die Schmerzintensität stärker ab als mit Placebo. So sank mit Topiramat die durchschnittliche Schmerzintensität von 68 auf 42 Punkte, mit Placebo von 69 auf 54 Punkte. Die Patienten der Verum-Gruppe hatten auch weniger Schlafstörungen.

Darüber hinaus kam es bei ihnen noch zu einem weiteren positiven Nebeneffekt: Drei Viertel der Patienten nahmen unter der Therapie ab - durchschnittlich um 2,6 kg -, nur 16 Prozent nahmen zu. Mit Placebo nahmen 43 Prozent der Patienten ab. 55 Prozent nahmen hingegen sogar zu.

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