Ärzte Zeitung, 05.04.2005

Insulin detemir hilft Diabetikern mit Übergewicht

Das Körpergewicht wird meist stabilisiert oder sinkt sogar

WIESBADEN (hbr). Diabetes-Patienten profitieren von Insulin detemir als basalem Insulin: Unterzuckerungen können abnehmen, und übergewichtigen Patienten fällt die Gewichtskontrolle mit dem langwirksamen Insulinanalogon leichter.

Das zeigen Fallgeschichten aus der Praxis, die Dr. Markus Eidenmüller beim Internistenkongreß vorgestellt hat. Der Marburger Diabetologe hat etwa 500 Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes auf Insulin detemir (Levemir®) eingestellt, die ihm wegen Einstellungs- und Therapieproblemen zugewiesen worden waren.

Ein Wechsel des Basalinsulins kann unter anderem sinnvoll sein bei ständiger Gewichtszunahme und erfolglosen Abnehmversuchen, so Eidenmüller. Davon profitierte eine 64jährige Typ-2-Patientin mit starkem Übergewicht. Ihren Body Mass Index von 35,3 kg/m² hatte sie bisher erfolglos zu reduzieren versucht, Nüchternblutzuckerwerte und HbA1c waren erhöht. Sie verwendete zur Nacht das NPH-Basalinsulin Protaphan® und als kurz wirksames Insulin zu den Mahlzeiten Insulin aspart (NovoRapid®).

Jetzt wollte sie "das Insulin, das beim Abnehmen hilft" ausprobieren. Sie wurde auf detemir umgestellt. In drei Monaten nahm sie 4,5 Kilogramm ab. Auch der HbA1c sank. Der Gewichtsverlauf sei mit Insulin detemir meist deutlich günstiger als dies bisher bei Insulintherapie bekannt sei, so Eidenmüller bei einem Symposium von Novo Nordisk: Das Gewicht wird stabilisiert oder sinkt. Und nur etwa jeder dritte Patient nehme weiter zu, meist jedoch langsamer als vorher.

Bei Typ-1-Diabetikern kann eine Neigung zu Hypoglykämien eine Umstellung erfordern. Nicht jeder Patient aber stuft seine Unterzuckerungen richtig ein, wie der Diabetologe feststellte - eine Nachfrage kann da lohnen. So bei einem 38jährigen Patienten: Er verwendete Insulin aspart zu den Mahlzeiten und ein basales Analogon am Abend. Sein HbA1c betrug 6,6 Prozent.

Als Problem berichtete er lediglich von "leichten Unterzuckerungen". Eine klare Fehleinschätzung, wie sich zeigte, als seine Frau ihn einmal zur Sprechstunde begleitete: In Wirklichkeit erlebte er jeden Monat ein bis zwei schwere Hypoglykämien mit Bewußtlosigkeit und gelegentlichen Notarzt-Einsätzen. Der Wechsel zu Insulin detemir führte bei leicht erhöhter basaler Dosis zu einem weiter verbesserten HbA1c, ohne daß noch ernste Unterzuckerungen mit Fremdhilfe auftraten. Letzteres ließ der Diabetologe sich dann allerdings von der Ehefrau bestätigen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »