Ärzte Zeitung, 06.04.2005

Typ-2-Diabetiker mit akutem Koronarsyndrom besonders gefährdet

Rasche PTCA senkt stark erhöhte Sterblichkeitsrate / Tirofiban steigert Schutzeffekt

WIESBADEN (grue). Bei Typ-2-Diabetikern mit akutem Koronarsyndrom sollte so schnell wie möglich eine PTCA gemacht werden, um das stark erhöhte Sterblichkeitsrisiko dieser Patienten zu senken, hat Professor Matthias Leschke aus Esslingen erinnert. Zur sicheren Revaskularisation gehört auch eine antithrombotische Therapie mit GP-IIb/IIIa-Rezeptorblockern, ASS und unfraktioniertem Heparin.

Weitere Fortschritte erwartet der Kardiologe durch den vermehrten Einsatz beschichteter Stents, von denen Diabetiker besonders zu profitieren scheinen. Bei der Verwendung konventioneller Stents kommt es relativ häufig zu Restenosen, besonders bei Typ-2-Diabetikern mit einem HbA1C-Wert über sieben Prozent.

Selbst kleine Plaques reißen leicht ein

Selbst kleine atherosklerotische Plaques reißen bei Typ-2-Diabetikern wegen einer erhöhten Rupturdisposition leicht ein, und dies erklärt das erhöhte Herzinfarkt-Risiko für diese Gruppe von Patienten. Typ-2-Diabetiker mit akutem Koronarsyndrom (ACS) brauchen deshalb unabhängig von der EKG-Konstellation (ST-Streckenhebung ja oder nein) möglichst schnell eine invasive Diagnostik und bei Bedarf eine Akutrevaskularisation.

Schon vor der Koronartherapie mit PTCA oder Stent sollte ein GP-IIb/IIIa-Rezeptorblocker wie Tirofiban (Aggrastat®) verwendet werden, wie der Herzspezialist bei einer MSD-Veranstaltung in Wiesbaden gesagt hat. Zur antithrombotischen Therapie gehören außerdem ASS und Clopidogrel, so Leschke. Letzteres könne den GP-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten aber keinesfalls ersetzen.

Auch optimierte Diabetes-Therapie wichtig

Infarktgefährdete Typ-2-Diabetiker brauchen außerdem ein relativ hochdosiertes Statin, einen ACE-Hemmer oder AT-1-Blocker sowie einen stoffwechselneutralen Betablocker. Dazu komme noch eine optimierte Diabetes-Therapie, eventuell unter Einbeziehung von Acarbose und Glitazonen, sagte Leschke.

"Einer der wichtigsten Bestandteile der frühen Therapie ist zweifellos der GP-IIb/IIIa-Blocker", betonte der Herzspezialist. So konnte in einer Metaanalyse unter Tirofiban-Schutz die 30-Tages-Sterblichkeit von Diabetikern mit ACS signifikant von 6,2 auf 4,6 Prozent gesenkt werden und in Kombination mit PTCA von 4 auf 1,2 Prozent.

"Durch konsequente Akutintervention und optimale antithrombotische Therapie kann die Prognose von diabetischen Herzpatienten deutlich gebessert werden", sagte Leschke. Dies habe sich auch im eigenen Esslinger Koronarregister bestätigt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »