Ärzte Zeitung, 07.06.2005

Viele Diabetes-Patienten haben eine Anämie

Hb-Wert sinkt mit zunehmender Nierenfunktionsstörung / Kardiale Morbidität und Risiko für Nierenversagen erhöht

BONN (KHS). Außer der Bestimmung des HbA1c-Wertes und des Albumins im Urin sollte bei Diabetes-Patienten auch regelmäßig der Hämoglobin-Wert kontrolliert werden. Das fordert Dr. Hans Günther Wahl, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Klinikum Lüdenscheid.

Den Grund für seine Forderung nannte Wahl bei einer Veranstaltung in Bonn: 35 bis 40 Prozent der Typ-1-Diabetiker und zehn bis 15 Prozent der Typ-2-Diabetiker entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine Nephropathie. Und mit zunehmender Nierenfunktionsstörung komme es außerdem zu einer Anämie.

Besonders bei älteren Diabetes-Kranken wird die Nephropathie nach Angaben von Wahl leicht übersehen, weil das Serum-Kreatinin erst relativ spät steige und die Serum-Kreatinin-Clearance in der Praxis nur selten bestimmt werde. Daher sollte mit der Hb-Messung nicht unbedingt auf die ersten Anzeichen einer Nierenfunktionsstörung gewartet werden.

Selbst bei einer Kreatinin-Clearance von 90 ml/min liege der Hb-Wert bei 30 Prozent der Diabetes-Kranken unter 12 g/dl, und bei fünf Prozent liege er sogar unter 10 g/dl. Auf dem gemeinsamen Symposium von Hoffmann-La Roche und HemoCue wies Wahl auf die schlimmen Auswirkungen hin, die eine Anämie auf die verschiedenen Organsysteme hat.

So führe die Anämie bei Diabetes-Kranken per se zu einer signifikanten Erhöhung der kardialen Morbidität, sei also ein eigener Risikofaktor. Außerdem sei ein niedriger Hb-Wert ein unabhängiger Risikofaktor für die Progression zum Nierenversagen.

Umso unverständlicher ist für Wahl, daß in den Diabetes-Leitlinien die makro- und mikrovaskulären Komplikationen an Nieren und Augen, Neuropathie und Fuß-Syndrom - ja selbst die Depression - erwähnt würden, nicht aber die Anämie.

Wahl stellte fest, daß die Behandlung der Anämie-Patienten mit Erythropoetin (von Hoffmann-La Roche als NeoRecormon® angeboten) simultan mit Eisen, zum Beispiel für drei bis sechs Monate verabreicht, den Verlauf von Komplikationen bei Diabetes positiv beeinflusse.

In einer Studie verringerten sich sogar die Symptome der Retinopathie. Vor allem aber verändere sich das Herz-Zeit-Volumen in Richtung Normalwerte und ebenso der Myokard-Index als Maß der Herzarbeit.

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