Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung, 01.06.2005

Bei Diabetes der Gewichtszunahme vorbeugen!

Jede Senkung des HbA1cum einen Prozentpunkt beschert Diabetikern im Mittel ein bis zwei zusätzliche Kilos

BERLIN (hbr). Bei der Behandlung von Diabetikern sollten von Anfang an Maßnahmen eingeplant werden, die einer Gewichtszunahme entgegenwirken. Denn wenn bei ihnen der HbA1c sinkt, vermehren sich oft die Pfunde.

Gute Blutzuckereinstellung und das Risiko für eine Gewichtszunahme sind bei Diabetes mellitus miteinander verknüpft. Foto: Klaro

"Die Gewichtszunahme bei antidiabetischer Therapie betrifft sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker", hat Privatdozent Andreas Hamann beim Diabeteskongreß in Berlin festgestellt. Als Faustregel gilt: Jede Senkung des HbA1c um einen Prozentpunkt beschert den Patienten im Mittel ein bis zwei zusätzliche Kilos.

Wie die Pfunde sich verteilen, wurde vor kurzem an 19 Typ-2-Diabetikern untersucht. Sie wechselten bei einem HbA1c von elf Prozent von Tabletten auf Mischinsulin. Nach einem halben Jahr und zwei Prozentpunkten weniger waren sie sogar um 5,2 Kilogramm schwerer - 2,9 kg davon als Körperfett und 2,3 kg als Körperwasser.

Steigendes Gewicht kann verschiedene Gründe haben. Eine deutlich verbesserte Stoffwechsellage etwa sorgt dafür, daß verzehrte Nahrungsenergie den Körper nicht mehr wie zuvor per Glukosurie ungenutzt verlassen kann - sie formt jetzt Polster daraus.

Unterzuckerungen haben ebenfalls eine Bedeutung. So sind leichte Hypoglykämien bei nahe-normoglykämisch eingestellten Patienten nicht ungewöhnlich. Sie betreffen zunehmend auch Typ-2-Diabetiker und werden von den Patienten mit Kohlenhydraten, also auch zusätzlichen Kalorien, abgefangen.

Sie haben aber noch einen wichtigen Effekt: Sie steigern und verändern den Appetit. Das wurde an 18 gesunden Teilnehmern beobachtet. Nach einer Insulininjektion, die ihren Blutzucker auf 43 mg/dl senkte, schlugen die unterzuckerten Teilnehmer beim anschließenden Testessen richtig zu: Sie verzehrten 1701 kcal - fast 25 Prozent mehr als die Placebogruppe mit 1427 kcal. Außerdem bevorzugten sie fettreiche Nahrungsbestandteile.

Auch die Wahl des Antidiabetikums beeinflußt das Risiko, dicker zu werden. Für die orale Therapie empfiehlt Hamann deshalb vor allem Metformin: "Eine Mono- oder Kombinationstherapie mit Metformin sollte immer erwogen werden, wenn keine Kontraindikationen vorliegen." Die Gewichtsentwicklung sei damit in der Regel günstiger.

Das gilt auch für die Kombination mit Insulin. Bei reiner Insulintherapie nach dem Basis-Bolus-Schema legten Typ-2-Diabetiker mit dem Insulinanalogon Insulin detemir als Basalinsulin weniger zu als mit einem herkömmlichem NPH-Insulin. Das orale Antidiabetikum Acarbose wiederum sei im Vergleich zu Insulin und zu Substanzen, die die Insulinsekretion fördern, meist zumindest gewichtsneutral.

Es ist leichter, einer Gewichtszunahme vorzubeugen als sie wieder abzubauen, betonte der Diabetologe: "Dazu genügt oft schon eine fettreduzierte, kohlenhydrat-liberale Ernährung". Oder etwas Bewegung. Sie sollten deshalb von Anfang an in die Therapie eingeplant werden.

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