Diabetes

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Ärzte Zeitung, 07.06.2005

Schätzwert erleichtert Insulin-Dosierung vor dem Sport

IDE-Wert (Insulin Dose Equivalent of Exercise) gibt an, wieviel glykämiewirksames Insulin durch definierte Muskelarbeit ersetzt werden kann

BERLIN (grue). Ein Diabetesinstitut in Karlsburg hat einen belastungsabhängigen Schätzwert ermittelt, mit dem Typ-1-Diabetiker ihren Insulinbedarf vor körperlicher Aktivität berechnen können. Dadurch lassen sich Über- und Unterzuckerungen vermeiden.

Der IDE-Wert (Insulin Dose Equivalent of Exercise) gibt an, wieviel glykämiewirksames Insulin durch definierte Muskelarbeit ersetzt werden kann. Um das abzuschätzen, hat Professor Uwe Fischer vom Institut für Diabetes "Gerhard Katsch" bei 14 erwachsenen männlichen Typ-1-Diabetikern den Blutglukoseverlauf vor und während körperlicher Aktivität gemessen. Die Probanden spritzten vor der Untersuchung Normalinsulin und setzten sich dann für 45 Minuten auf ein Fahrradergometer.

Die IDE-Werte korrelierten eng mit dem Anstieg der Herzfrequenz und waren somit abhängig vom individuellen Trainingszustand des Patienten, berichtete Fischer auf einer Veranstaltung des Unternehmens LifeScan in Berlin. In einem durch Regressionsanalyse erstellten Nomogramm läßt sich für Herzfrequenzen von 90 bis 150 Schlägen pro Minute der jeweilige Äquivalenz-Wert ablesen. Um diese Menge kann die Normalinsulindosis vor einer definierten Belastung vermindert werden, ohne daß Hypo- oder Hyperglykämien auftreten.

Um das Verfahren praktikabel zu machen, wertete der Wissenschaftler Herzfrequenzprofile und Aktivitätsprotokolle von weiteren 64 Typ-1-Diabetikern aus. So erhielt er Standard-IDE-Werte für übliche Freizeitaktivitäten von durchschnittlich trainierten Typ-1-Diabetikern.

Demnach können für mäßig anstrengende Tätigkeiten wie Wandern pro Stunde 0,8 IE vom Insulinbedarf abgezogen werden, für etwas anstrengendere Hobbys wie Reiten sind es 1,55 IE und für intensives Radfahren und Joggen 2,09 IE. Für über- und unterdurchschnittlich trainierte Patienten gelten niedrigere oder höhere Schätzwerte.

"Diese Angaben sind als Richtschnur für die Insulindosierung vor geplanter körperlicher Anstrengung anzusehen", so Fischer. Bei Dauerbelastung müsse aber auch das Basalinsulin in die Dosisberechnung einbezogen werden.

Ansonsten läßt die geschätzte Normalinsulindosis einen gewissen Spielraum: Kleine "Sport-Imbisse" sind bei bedarfsgerechter Versorgung mit Basalinsulin erlaubt. Fischer empfahl, die IDE-Werte für belastungsabhängige Insulindosierungs-Empfehlungen zu verwenden. Sie könnten zum Beispiel in ein Sport-Schulungsprogramm für Typ-1-Diabetiker aufgenommen werden.

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