Ärzte Zeitung, 13.06.2005

Eine Kost, bei der der Blutzucker nur langsam steigt, ist für Diabetiker ideal

Rat zu Lebensmitteln mit niedrigem Glykämischen Index / Mittelmeerdiät gut geeignet

BERLIN (grue). Der Glykämische Index (GI) ist ein Maß für die sofortige Wirkung kohlenhydrathaltiger Lebensmittel auf den Blutzucker. Diabetiker sollten Lebensmittel mit niedrigem GI bevorzugen.

Die Mittelmeerdiät mit viel Fisch, Gemüse und wenig rotem Fleisch ist zum Beispiel für Diabetiker zu empfehlen. Foto: dpa/gms

Dazu gehören zum Beispiel Vollkornprodukte, druck- und dampfbehandelter (parboiled) Reis, Joghurt, Hülsenfrüchte und einheimisches Obst. Mit einem GI unter 55 führen sie nur zu einem geringen Blutzuckeranstieg im Vergleich zur Bezugsgröße Traubenzucker, der einen GI von 100 hat. Diabetiker, die Kohlenhydrate mit mittlerem und niedrigem GI bevorzugen, haben einen besser eingestellten Stoffwechsel und im Falle eines Typ-1-Diabetes auch ein niedrigeres Hypoglykämierisiko.

    Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, parboiled Reis haben niedrigen GI.
   

Darauf hat Professor Nicholas Katsilambros aus Athen bei einer Diabetes-Tagung in Berlin hingewiesen. Auch bei Übergewicht und metabolischem Syndrom lohne sich eine Umstellung auf eine Niedrig-GI-Ernährung: Betroffene bleiben damit länger insulinsensitiv und zögern einen Typ-2-Diabetes hinaus.

"Lebensmittel mit niedrigem GI und auch Ballaststoffe kurbeln die Ausschüttung von Adiponektin an, wodurch sich die Glukoseverwertung verbessert", erläuterte der Ernährungswissenschaftler. Dagegen fördern Produkte mit hohem GI wie Weißbrot, Cornflakes und Cola die Bildung von intra-abdominalem Fett, das die Adiponektin-Sekretion bremst.

Für Übergewichtige werde aus gutem Grund eine mediterrane Diät empfohlen, so Katsilambros, denn sie enthalte viele Kohlenhydrate mit niedrigem GI und auch relativ wenig Fett. "Eine solche Kost sättigt anhaltend und vermindert die postprandiale Insulinausschüttung".

Gesunde Erwachsene schütze die Mittelmeer-Diät auch vor kardiovaskulären Komplikationen, wie sich aus mehreren prospektiven Studien ablesen läßt. In der griechischen ATTICA-Studie minderte die landestypische Ernährung auch die Entzündungsmarker CRP und TNF-alpha, was auch für einen gefäßprotektiven Effekt spricht.

Offen bleibt, ob Diäten mit niedrigem GI wegen der verbesserten Insulinsensitivität auch das Krebsrisiko senken können. Denkbar ist ein Zusammenhang zwischen Diät und Dickdarmkarzinom. "Auch wenn in vielen Bereichen Langzeitstudien zur Wirkung von Diäten auf GI-Basis fehlen, sind wir doch vom Wert dieser Ernährungsform besonders für Diabetiker überzeugt", sagte Katsilambros.

Ähnlich urteilt die europäische Diabetesgesellschaft in ihren Leitlinien zur Ernährung: Dort werden Kohlenhydrate mit niedrigem GI empfohlen, soweit eine bedarfsgerechte Ernährung sichergestellt ist.

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