Ärzte Zeitung, 14.11.2005

Einmal im Quartal Fußcheck bei Diabetikern!

Bei über 30 000 Diabetikern in Deutschland waren im Jahr 2003 Amputationen nötig / Regelmäßige Fußkontrollen wichtig

NEU-ISENBURG (eis). Allein in Deutschland wurden 2003 bei etwa 31 000 Diabetikern ein Fuß oder Teile davon amputiert, berichtet die Deutsche Diabetes Union (DDU). Durch eine angemessene Prophylaxe und Therapie der Gefährdeten ließen sich die meisten Amputationen vermeiden. Um das Bewußtsein dafür zu schärfen, steht der Weltdiabetestag in diesem Jahr unter dem Motto "Füße zuerst - Amputationen verhindern!"

Warum haben Diabetiker ein so hohes Risiko für ein Fußgeschwür und damit für Amputationen? "Wenn wir mit dem nackten Fuß auf eine Glasscherbe treten, zucken wir vor Schmerzen zurück", sagt Dr. Hans-Christoph Treichel aus Stendal.

"Beim geschädigten Fuß eines Diabetikers fehlt dieser Schmerz jedoch häufig", so der Diabetologe vom Johanniter-Krankenhaus Genthin. Auf der bundesweiten Hauptveranstaltung zum Weltdiabetestag in München informiert Treichel über den diabetischen Fuß.

Ist es zu einem diabetischen Fußgeschwür gekommen, sind eine stadiengerechte Wundbehandlung und eine Antibiotikatherapie nötig. Foto: klaro

Hoher Blutzucker führt zu Polyneuropathie mit fatalen Folgen für die Füße: Egal, ob ein Schuh drückt oder sich eine Reißzwecke durch die Sohle bohrt, durch die geschädigten Nerven nehmen die Patienten Verletzungen immer weniger wahr. Hinzukommt, daß sich bei einer peripheren diabetischen Neuropathie oft die Schweißsekretion verringert. Die Haut wird trocken und neigt zu Einrissen und Fissuren.

Jeder dritte Diabetiker mit Neuropathie leidet zudem an peripherer arterieller Verschlußkrankheit. Wegen der geschädigten Blutgefäße am Fuß fehlen Sauerstoff, Nährstoffe und Abwehrzellen. Wunden dort können sich daher sehr schnell infizieren, und sie heilen nur schlecht ab.

"Die beste Prophylaxe sind gute Blutzuckerwerte, normale Blutdruckwerte, normale Blutfette und die richtige Fußpflege", sagt Treichel. Das muß natürlich regelmäßig kontrolliert werden. Jeder Hausarzt sollte einmal im Quartal die Füße seiner Diabetes-Patienten untersuchen, heißt es im BDA-Manual Diabetischer Fuß.

Dazu gehört außer einer Anamnese die Inspektion von Gang- und Standbild, Fußskelett und Schuhen. Neurologische Basisparameter - wie Sensorik, Warm-Kalt- und Vibrations-Empfinden - lassen sich mit Tip-Therm, Stimmgabel und Reflexhammer erheben.

Zu achten ist vor allem auch auf Schwielen, Rhagaden, Läsionen und Mazerationen zwischen den Zehen. Diese können Infekte begünstigen, die hauptsächliche Ursache für spätere Amputationen. Ist es zu einem Fußsyndrom gekommen, gehören daher zur Therapie - außer stadiengerechter Wundbehandlung - immer Antibiotika.

Weitere Infos zum Weltdiabetestag unter www.diabetes-union.de

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