Diabetes

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Ärzte Zeitung, 11.10.2005

Hypoglykämie mit 181 mg/dl? Das gibt es!

MAINZ (sko). Einer fast bewußtlosen 86jährigen Diabetikerin mit einem Blutzuckerwert von 181 mg/dl Glukose zu infundieren - das ist auf den ersten Blick eine abstruse Idee, wie auch Notarzt Dr. Gabor Erdös zunächst dachte. Doch nach einem Blick in das Blutzuckertagebuch der Patientin änderte der Kollege seine Meinung und verabreichte der Patienten acht Gramm Glukose i.v. Mit Erfolg: die neurologischen Symptome nahmen rasch ab.

Für einen im Notdienst herbeigerufenen Kollegen ist es ja nicht immer einfach, schnell den Grund für eine Bewußtlosigkeit zu eruieren. Eine Hypoglykämie allerdings ist je nach Ausprägung meist durch die typischen Symptome in der Vorgeschichte wie Heißhunger, Schwäche, Übelkeit, Unruhe, starkes Schwitzen, Kopfschmerzen oder Krämpfe gekennzeichnet.

Hat ein Patient solche Symptome nicht, und ist der Blutzuckerwert normal oder sogar erhöht, scheidet die Verdachtsdiagnose Hypoglykämie meist ganz aus.

So war es auch bei der oben geschilderten Patientin, über die Dr. Gabor Erdös, Anästhesist und Notarzt an der Universitätsklinik Mainz, in einer Kasuistik berichtet (Der Anaesthesist 7, 2005, 673).

Statt Zeichen für eine Hypoglykämie fand Erdös bei der Patienten die kardiovaskulären Risikofaktoren Koronare Herzkrankheit und Diabetes, weshalb er mit der Verdachtsdiagnose Schlaganfall schon einmal in der Klinik eine Computertomographische Untersuchung anmeldete.

Doch als er beim Blick in das Blutzuckertagebuch feststellte, daß die Patientin regelmäßig erhöhte Blutzuckerwerte zwischen 280 und 390 mg/dl hatte und der aktuell gemessene Spiegel mit 181 mg/l deutlich darunter lag, und die Patientin für ihre Verhältnisse quasi eine Hypoglykämie hatte, entschied er sich für die erfolgreiche Therapie mit Glukose i.v.

Die Begründung für die Hypoglykämie trotz Hyperglykämie liegt in einer Herunterregulation der Rezeptoren für den Glukosetransport bei langanhaltender Hyperglykämie, wie Erdös berichtet. Fällt dann der Glukosespiegel unter eine individuelle Schwelle, wird das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt, und es kommt zu den neurologischen Symptomen.

Deshalb sollte gerade bei älteren Patienten mit Diabetes auch immer die Hypoglykämie als Ursache und eine Glukoseinfusion als Therapie in Betracht gezogen werden, rät Erdös.

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