Diabetes

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Ärzte Zeitung, 04.10.2005

Neunjährige weiß genau, wieviel Insulin sie für einen Schokoriegel spritzen muß

25 000 Kinder in Deutschland leiden an Diabetes / Kinder als Ernährungsexperten

Von Nadine Schwede

Mit flinken Fingern tippt die neunjährige Johanna auf den Tasten des kleinen Geräts, die Zeichen flimmern auf dem Display - was sie in der Hand hält, ist kein Handy, sondern eine Insulinpumpe.

Johanna mit ihrer Mutter Gabriele Belkner. Die Familie hat sich auf das Leben mit Diabetes eingestellt. Fotos: dpa

Johanna hat Diabetes, so wie etwa 25 000 andere Kinder in Deutschland, und die Zahl steigt. Zudem seien immer mehr Kinder unter fünf Jahren betroffen, sagt Oberarzt Uwe Preiß von der Klinik für Kindermedizin an der Martin-Luther-Universität in Halle. "Und das Schlimme ist, wir wissen nicht, woher es kommt."

Die neunjährige Johanna weiß genau, wie viel Insulin sie für einen Schokoriegel spritzen muß.

Die meisten Kinder leiden an Diabetes mellitus Typ 1, an Typ 2 erkranken bisher nur ein bis zwei Prozent der diabetischen Kinder. Doch Oberarzt Preiß sieht die Entwicklung mit Sorge: Fast 20 Prozent der Kinder in Deutschland seien zu dick. Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Fettsucht stehe fest. "Wir müssen die Kinder wieder dazu bringen, sich gesund zu ernähren und sich zu bewegen", sagt Preiß.

"Wenn sie gut eingestellt sind, gibt es meist keine Probleme"

Bei ihrer Hoffnung auf Heilung setzten die Betroffenen sowohl auf Transplantationen als auch auf die Gentechnologie. So wie bei anderen Organen ist die Zahl der gespendeten Bauchspeicheldrüsen begrenzt. Zudem ist die Transplantation mit lebenslangen Folgetherapien verbunden und wird daher bei Kindern nur selten angewandt.

"Wenn sie gut eingestellt sind, gibt es meistens erstmal keine Probleme", sagt Preiß. Mit der Gentechnologie könne man zwar Insulin produzierende Zellen im Reagenzglas herstellen. Die Anwendung am Menschen sei aber noch "absolute Zukunftsmusik".

Johanna und ihre Familie haben sich auf das Leben mit der Krankheit eingestellt. Das Mädchen aus Köthen in Sachsen-Anhalt weiß, wie viel Insulin sie für einen Schokoriegel oder ein Fischstäbchen spritzen muß, die Technik der Insulinpumpe beherrscht sie genau. Johanna war fünf, als die Krankheit plötzlich auftrat. Bis zu vier Mal mußte sie nachts auf die Toilette, hatte immer Durst und wurde in kurzer Zeit dünn und schwach.

Nach der Diagnose lernte Mutter Gabriele Belkner nicht nur die genauen Bestandteile der Ernährung kennen. Auch der schmale Grat zwischen zu viel und zu wenig Zucker im Blut und die Gefahr einer Unterzuckerung wurden ihr klar. "Anfangs habe ich immer eine Waage mit in den Urlaub genommen", erzählt sie. "Auch die Pizza im Restaurant habe ich gewogen."

"Ich bin krank, wenn ich erkältet bin, jetzt nicht"

Johanna fühlt sich gesund. "Ich bin krank, wenn ich erkältet bin oder Fieber habe, nicht jetzt", sagt sie. Das Mädchen hat gute Noten in der Schule, geht gerne tanzen, singt im Chor und spielt Geige. "Es gibt kaum Unterschiede zu anderen Kindern", sagt ihre Mutter.

Aber dann fällt ihr doch etwas ein: Bei Freundinnen übernachten darf ihre Tochter vorerst noch nicht, und zu Schulausflügen fährt sie vorsichtshalber lieber mit. Alle vier bis sechs Wochen müssen sie zur Kontrolle in die Klinik nach Halle. "Da sehen wir manchmal Kinder mit schlimmen Krankheiten", sagt Gabriele Belkner, "dagegen geht es Johanna richtig gut." (dpa)

Weitere Infos im Internet unter www.das-zuckerkranke-kind.de

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