Ärzte Zeitung, 18.11.2005

Pioglitazon schützt Diabetiker vor erneutem Herzinfarkt

Neue Analyse der PROactive-Studie / Auch die Inzidenz für akute Koronarsyndrome nach einem Infarkt ist mit dem Diabetes-Mittel reduziert

DALLAS (ob). Bei Typ-2-Diabetikern, die einen Herzinfarkt überlebt haben, kommt es sehr häufig zu weiteren kardialen Ereignissen. Bei diesen Hochrisiko-Patienten läßt sich durch eine Behandlung mit dem Antidiabetikum Pioglitazon die Rate der Re-Infarkte signifikant verringern, belegen Ergebnisse einer neuen Analyse von Daten der PROactive-Studie.

In der PROactive-Studie ist bei 5238 Typ-2-Diabetikern erstmals geprüft worden, ob sich mit einem oralen Antidiabetikum - nämlich Pioglitazon (Actos®) - kardiovaskuläre Ereignisse verhindern lassen. Ergebnis war, daß diese Behandlung die Rate "harter" kardiovaskulärer Endpunkte (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) signifikant um 16 Prozent im Vergleich zu Placebo reduzierte (wir berichteten).

Von 2445 Studienteilnehmern war aus der Vorgeschichte bekannt, daß sich bereits ein Myokardinfarkt ereignet hatte. Diese Subgruppe, bei der die Wahrscheinlichkeit weiterer kardialer Ereignisse als sehr hoch einzuschätzen ist, stand im Fokus einer neuen Analyse der PROactive-Daten.

Die Ergebnisse dieser neuen Analyse hat der Kölner Kardiologe Professor Erland Erdmann jetzt erstmals beim AHA-Kongreß in Dallas im US-Staat Texas vorgestellt.

In erste Linie sollte geklärte werden, welche Auswirkungen die Behandlung mit Pioglitazon auf die Inzidenz von erneut aufgetretenen Herzinfarkten hatte.

Wie Erdmann berichtete, war die Rate tödlicher und nicht tödlicher Re-Infarkte nach knapp drei Jahren bei den Patienten, die Pioglitazon erhalten hatten, signifikant um 28 Prozent niedriger als bei Patienten, die mit Placebo behandelt worden waren (5,3 versus 7,2 Prozent). Auch für akute Koronarsyndrome wie instabile Angina pectoris ergab die Analyse eine signifikant um 37 Prozent niedrigere Inzidenz.

Klinikeinweisungen aufgrund eines Verdachtes auf Herzinsuffizienz wurden bei Patienten mit Pioglitazon häufiger beobachtet als bei Studienteilnehmern mit Placebo. Allerdings war die Rate der durch Herzinsuffizienz bedingten Sterblichkeit in beiden Gruppen gleich, wie Erdmann in Dallas betont hat.

Nach seinen Angaben läßt sich der therapeutische Nutzen des Glitazons auf Basis der neuen Studiendaten so veranschaulichen: Werden 1000 Typ-2-Diabetiker mit Myokardinfarkt drei Jahre lang mit Pioglitazon behandelt, kann damit 22 neuen Myokardinfarkten und 23 koronaren Akutmanifestationen wie instabile Angina pectoris vorgebeugt werden. "Ich denke, das ist ein sehr positiver Effekt", so Erdmanns Kommentar.

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