Ärzte Zeitung, 19.01.2006

Blutegel-Therapie rettete Zeh eines Diabetikers

Diabetiker hatte Thrombose in einem Zeh / Gefäßchirurgin empfahl Heparin-Therapie / Ein Egel brachte schon Erfolg

KREFELD (hsr). Blutegel gegen lokale Thrombose? Warum nicht, wenn diese Therapie glückt - wie bei einem Diabetiker mit einer schmerzhaften Thrombose in einer Zehe.

Der vierte Zeh eines Diabetikers ist livide und geschwollen.

Die Verfärbung ist auf den Zeh beschränkt. Ursache war eine Thrombose bei Paronychie. Zur Therapie wird ein Blutegel auf die betroffene Zehe gesetzt. Der Egel ist abgefallen. Aus der Bißwunde blutet es noch. Fotos (4): Dr. med. N. Scholz, Krefeld

Über eine solch ungewöhnliche und erfolgreiche Behandlung berichtet Dr. Norbert Scholz aus Krefeld (MMW Fortschr Med 46, 2005, 77).

Dem Facharzt für Allgemeinmedizin stellte sich ein Mann mit Diabetes und Schmerzen im rechten Fuß vor. Die Ursache dafür ließ sich schnell finden: Die vierte Zehe war livide verfärbt und stark geschwollen, der Nagelwall darüber hinaus entzündet. Mit Verdacht auf Thrombose bei Paronychie der Zehe wurde eine Gefäßchirurgin zu Rate gezogen.

Die Kollegin bestätigte die Diagnose und empfahl eine Therapie mit Heparin. Von einer invasiven Behandlung des Patienten riet sie allerdings ab.

Daraufhin entschied sich Scholz für einen Therapieversuch mit einem Blutegel. Dafür wurde ein solcher Egel auf die erkrankte Zehe gesetzt, bis er, mit Blut voll gesaugt und gesättigt, nach etwa 45 Minuten von allein abfiel. Bereits nach dieser ersten Sitzung gingen sowohl die Schwellung als auch die Verfärbung des Zehs deutlich zurück.

Daß die Wunde bis zu 24 Stunden nach diesem sanften Aderlaß bluten kann, durch die Heparinisierung möglicherweise noch länger, darüber klärte der Allgemeinmediziner seinen Patienten auf.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »