Ärzte Zeitung, 10.02.2006

Neuropathie bei Diabetes zu lindern erfordert Zeit

Erster Blick gilt der Stoffwechseleinstellung von Patienten / Liponsäure vermindert Schmerzen und Parästhesien

DÜSSELDORF (hbr). Die Therapie bei diabetischer Neuropathie ist schwierig und verlangt Geduld. Ein Therapieversuch mit Duloxetin, Pregabalin oder Alpha-Liponsäure lohnt sich.

Die Füße eines Diabetikers werden untersucht. Sensibilitätsstörungen sind Zeichen einer Neuropathie. Foto: klaro

Der erste Blick gelte allerdings der Stoffwechseleinstellung des Patienten. Eine schlechte Einstellung ist ein Risikofaktor für die diabetische Polyneuropathie, erinnerte Professor Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf. Es sollten also Blutzucker und HbA1c optimiert werden, rät Ziegler. So könne eine intensivierte Insulintherapie bei Typ-1-Patienten das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

Im Vordergrund steht aber meist die Schmerztherapie, etwa mit Alpha-Liponsäure. Liponsäure wirkt antioxidativ und lindert Schmerzen und Parästhesien.

Das wurde in einer Meta-Analyse belegt: Im Vergleich zur Placebogruppe gingen brennende Schmerzen, Taubheitsgefühle und Mißempfindungen um 20 bis 30 Prozent zurück, wenn den Patienten drei Wochen lang täglich 600 mg Liponsäure infundiert wurde.

Ein ähnlicher Effekt wurde jetzt auch für die orale Therapie mit 600 bis 1800 mg Liponsäure nachgewiesen. Liponsäure sei effektiv, gut verträglich und die einzige pathogenetisch begründbare Therapie, die zur Zeit verfügbar ist, so Ziegler. Aber: "Weil sie nicht mehr erstattet wird, können wir diese Therapie in der Regel nicht mehr machen", ärgert sich der Diabetologe.

Was bleibt, ist die symptomatische Behandlung. Trizyklische Antidepressiva sind jedoch bei multimorbiden Patienten oft nicht einsetzbar, etwa wegen kardialer Effekte. Eine Alternative bieten der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin und das Antikonvulsivum Pregabalin.

So verringerte Duloxetin in drei Monaten die Schmerzen besser als Placebo. Der Unterschied war schon nach einer Woche signifikant, sagte Ziegler bei einer DDZ-Veranstaltung in Düsseldorf. 43 Prozent der Patienten haben mit der Einnahme von 60 mg täglich ihre Schmerzen mindestens halbiert, mit 120 mg waren es 53 Prozent. Als Begleiteffekte können Somnolenz und Übelkeit auftreten.

Für Pregabalin ermittelte eine Meta-Analyse mit 1353 Patienten eine mit der Tagesdosis steigende Erfolgsquote: 150 mg halbierten den Schmerz bei 27 Prozent der Patienten, 300 mg bei 39 Prozent und 600 mg bei 46 Prozent. Ein möglicher Nebeneffekt ist Schläfrigkeit.

Wenn sonst nichts hilft, kommen auch Opioide - zusätzlich oder als Monotherapie - in Betracht. Bei allen Substanzen muß Zeit eingeplant werden, denn Erfolge treten selten sofort ein. Zwei bis vier Wochen Geduld empfiehlt Ziegler dafür: "Man darf die Therapie nicht zu früh abbrechen."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »