Direkt zum Inhaltsbereich

Neuropathie bei Diabetes zu lindern erfordert Zeit

DÜSSELDORF (hbr). Die Therapie bei diabetischer Neuropathie ist schwierig und verlangt Geduld. Ein Therapieversuch mit Duloxetin, Pregabalin oder Alpha-Liponsäure lohnt sich.

Veröffentlicht:

Der erste Blick gelte allerdings der Stoffwechseleinstellung des Patienten. Eine schlechte Einstellung ist ein Risikofaktor für die diabetische Polyneuropathie, erinnerte Professor Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf. Es sollten also Blutzucker und HbA1c optimiert werden, rät Ziegler. So könne eine intensivierte Insulintherapie bei Typ-1-Patienten das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

Im Vordergrund steht aber meist die Schmerztherapie, etwa mit Alpha-Liponsäure. Liponsäure wirkt antioxidativ und lindert Schmerzen und Parästhesien.

Das wurde in einer Meta-Analyse belegt: Im Vergleich zur Placebogruppe gingen brennende Schmerzen, Taubheitsgefühle und Mißempfindungen um 20 bis 30 Prozent zurück, wenn den Patienten drei Wochen lang täglich 600 mg Liponsäure infundiert wurde.

Ein ähnlicher Effekt wurde jetzt auch für die orale Therapie mit 600 bis 1800 mg Liponsäure nachgewiesen. Liponsäure sei effektiv, gut verträglich und die einzige pathogenetisch begründbare Therapie, die zur Zeit verfügbar ist, so Ziegler. Aber: "Weil sie nicht mehr erstattet wird, können wir diese Therapie in der Regel nicht mehr machen", ärgert sich der Diabetologe.

Was bleibt, ist die symptomatische Behandlung. Trizyklische Antidepressiva sind jedoch bei multimorbiden Patienten oft nicht einsetzbar, etwa wegen kardialer Effekte. Eine Alternative bieten der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin und das Antikonvulsivum Pregabalin.

So verringerte Duloxetin in drei Monaten die Schmerzen besser als Placebo. Der Unterschied war schon nach einer Woche signifikant, sagte Ziegler bei einer DDZ-Veranstaltung in Düsseldorf. 43 Prozent der Patienten haben mit der Einnahme von 60 mg täglich ihre Schmerzen mindestens halbiert, mit 120 mg waren es 53 Prozent. Als Begleiteffekte können Somnolenz und Übelkeit auftreten.

Für Pregabalin ermittelte eine Meta-Analyse mit 1353 Patienten eine mit der Tagesdosis steigende Erfolgsquote: 150 mg halbierten den Schmerz bei 27 Prozent der Patienten, 300 mg bei 39 Prozent und 600 mg bei 46 Prozent. Ein möglicher Nebeneffekt ist Schläfrigkeit.

Wenn sonst nichts hilft, kommen auch Opioide - zusätzlich oder als Monotherapie - in Betracht. Bei allen Substanzen muß Zeit eingeplant werden, denn Erfolge treten selten sofort ein. Zwei bis vier Wochen Geduld empfiehlt Ziegler dafür: "Man darf die Therapie nicht zu früh abbrechen."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Prävention und Therapie

In fünf Schritten zu einer besseren Adipositas-Versorgung

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praxisinventar

So lassen sich Praxen ihre Therapieliege fördern

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Wie Sie Patienten mit seltenen Erkrankungen früher erkennen

Lesetipps
Die erwachsene Tochter zeigt ihrer älteren Mutter, wie man Healthtech-Geräte wie eine Smartwatch mit mobiler App nutzt, um zu Hause Gesundheit, Herzfrequenz und Blutdruck zu überwachen.

© CandyRetriever / stock.adobe.com

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falsche Sicherheit wiegt

Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?