Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung, 27.04.2006

Sport wirkt enorm günstig auf den Blutzucker

Mit Bewegung kann so mancher Diabetiker auf Medikamente verzichten / Aufklärungsaktion ist in Leipzig zu Gast

LEIPZIG (eis). "Sport und Fußball mit Diabetes - Bewegung tut der Gesundheit gut": Das ist das Motto der Aufklärungstage "Gesünder unter 7" in Leipzig. Die Besucher des Allee-Centers können sich heute und am Freitag über Diabetes informieren und prominente Sportler mit Diabetes kennenlernen.

Der Gewichtheber Matthias Steiner, der Fußball-Torwart Dimo Wache vom FSV Mainz 05 und der Eishockeystürmer Michael Hackert haben ihre Teilnahme an der Aktion in Leipzig zugesagt. Die Sportprofis leiden selbst an Diabetes und können heute von 12 bis 16 Uhr Tips zum Umgang mit der Krankheit bei Sport geben.

Radfahren ist für Diabetiker ideal. Wichtig ist, vor zu starken Anstrengungen zu warnen. Patienten sollten sich beim Sport noch gut unterhalten können. Foto: dpa

Daß sich mit Bewegungsprogrammen und gesunder Ernährung bei hohem Diabetesrisiko (etwa bei gestörter Glukosetoleranz) der Erkrankung vorbeugen läßt, ist inzwischen gut belegt. Und Patienten mit manifestem Diabetes können durch Bewegung und gesunde Kost den Stoffwechsel deutlich bessern und die Progression der Erkrankung bremsen.

Körperliche Bewegung ist eine kausale Therapie gegen die Stoffwechselkrankheit. Sie verbessert die Blutzucker- und Cholesterinprofile, HbA1c- und Blutdruck-Werte werden verringert. Die Wirkung von körperlicher Bewegung auf die Blutzuckerwerte ist so enorm, daß man oft sogar auf Tabletten oder Insulin verzichten kann.

Bewegung fördert langfristig den Muskelaufbau und sorgt für eine gute Durchblutung. Hierdurch können Glukose und Insulin gut auf die Körperzellen einwirken. Allein schon durch Kontraktion der Muskelzellen wird nach Forschungsergebnissen die Glukose-Aufnahme gefördert. Ebenso verbessert regelmäßige Bewegung die Empfindlichkeit der Körperzellen auf das (körpereigene) Insulin.

Eine verminderte Insulin-Sensitivität kennzeichnet ja bekanntlich den Beginn eines Typ-2-Diabetes. Die Zielzellen etwa in Leber, Muskeln oder Fettgewebe können nicht mehr angemessen auf das Hormon reagieren. Sie werden unter anderem durch ein Überangebot an Nährstoffen zunehmend unempfindlich dafür.

Die Wirksamkeit von körperlichem Training gegen Diabetes ist in vielen prospektiven Untersuchungen belegt worden. In der finnischen Diabetes Prevention Studie absolvierten zum Beispiel übergewichtige Patienten mit gestörter Glukosetoleranz ein Programm aus Bewegung und gesunder Ernährung.

Konkret hieß dies: mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche, mindestens fünf Prozent des Körpergewichts abzunehmen sowie eine Umstellung auf fettarme Kost mit vielen Ballaststoffen. Das Ergebnis: In der Interventionsgruppe war binnen vier Jahren die Inzidenz des Typ-2-Diabetes um 58 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe.

Wegen der guten Wirksamkeit-Belege setzt sich die Initiativgruppe Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) dafür ein, daß körperliche Aktivität fester Bestandteil jeder Diabetesschulung werden soll. Wegen Begleiterkrankungen wie Cox- oder Gonarthrose ist Sport allerdings oft nur eingeschränkt möglich.

Für ein regelmäßiges Training sind die vielmals älteren und übergewichtigen Menschen zudem nur schwer zu motivieren. Oft ist es daher erfolgversprechender, den Patienten statt Sport möglichst viel Bewegung im Alltag zu empfehlen: etwa Treppensteigen statt Fahrstuhlfahren oder regelmäßige Abendspaziergänge.

Günstig für Patienten sind Diabetiker-Sportgruppen

Lassen sich Patienten zu regelmäßigem körperlichen Training motivieren, eignet sich Ausdauersport wie Laufen, Radfahren, Skilanglauf, Wandern oder Schwimmen. Empfohlen werden 20 bis 60 Minuten drei- bis fünfmal die Woche in einer Intensität, bei der die Patienten sich während der Bewegung noch gut unterhalten können. Falls vorhanden, sollten Patienten in Diabetiker-Sportgruppen vermittelt werden. Dazu gibt es das DDG-Programm DiSko (wie Diabetiker zu Sport kommen).

Sport bei Diabetikern muß dosiert und unter ärztlicher Beratung erfolgen. Wichtig ist zu klären, ob die Patienten schon mikro- oder makrovaskuläre Folgekrankheiten haben, das heißt etwa an Retino-, Nephro- oder Polyneuropathie oder auch an koronarer Herzkrankheit leiden.

Eine Liste von Diabetes-Sportgruppen und DiSko-Übungsleitern in vielen deutschen Regionen gibte es unter www.diabetes-sport.de

Aktionen zu Sport und Ernährung

Die von Sanofi-Aventis initiierte Aktion "Gesünder unter 7" gastiert noch in fünf Städten. Jeweils donnerstags und freitags können sich Besucher über Ursachen, Risikofaktoren sowie Therapien bei Diabetes informieren und sich mit Experten austauschen. Die "Ärzte Zeitung" unterstützt die Aktion als Medienpartner. Die Termine:

  • 27. und 28. April in Leipzig (Allee-Center), Thema: Sport und Diabetes.
  • 4. und 5. Mai in Neunkirchen, (Saarpark Center), Thema: Ernährung (mit Showkochen).
  • 11. und 12. Mai in Bremen, (Roland-Center), Thema: Reisen und Diabetes.
  • 18. und 19. Mai in Köln, (Rhein-Center) Thema: Ernährung (mit Showkochen).
  • 1. und 2. Juni in Hamburg, (Elbe-Einkaufszentrum). Thema: Sport und Fußball

Weitere Informationen unter www.gesuender-unter-7.de

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