Ärzte Zeitung, 03.07.2006

Prävention beginnt bei den Füßen

Regelmäßige Inspektion der Füße kann Diabetikern langwierige Behandlung ersparen

HAMBURG (nke). Mindestens einmal im Quartal sollten bei Diabetikern die Füße auf Zeichen von Läsionen untersucht werden. Tips für die Prävention und die Therapie hat der Diabetologe Dr. Richard Daikeler aus Sinsheim gegeben.

Kontrolle der Füße bei einem Diabetes-Patienten. Mindestens einmal jährlich sollte auf Neuropathie-Symptome geprüft werden. Foto: Klaro

Diabetiker selbst spüren Verletzungen am Fuß oft nicht, da aufgrund einer Neuropathie die Schmerzempfindung herabgesetzt ist. Die Neuropathie führt darüber hinaus auch zur Atrophie der Fußmuskeln, die die Statik verändern kann.

"Anstatt beim Gehen den Fuß abzurollen, klatschen Betroffene mit dem ganzen Fuß auf", sagte Daikeler bei einer Veranstaltung des Unternehmens Urgo in Hamburg. Die Druckbelastung an den Sohlen sei dadurch bis zu zehnfach erhöht. Auch trockene Haut, starke Verhornung und ein erhöhtes Risiko, Fissuren zu entwickeln, können Folgen von Neuropathie sein.

Etwa 30 Prozent der Diabetiker haben eine Polyneuropathie, so Daikeler, etwa zwei bis sieben Prozent der Diabetiker hatten bereits eine Ulzeration am Fuß oder eine Amputation. Die Zahl der Amputationen an den Beinen bei Diabetikern wird in Deutschland auf etwa 28 000 pro Jahr geschätzt.

Zur Prävention sollten Hausärzte Patienten mit Diabetes mellitus mindestens einmal jährlich auf Neuropathie-Symptome untersuchen. Dazu gehört die Anamnese und die einfache neurologische Sensibilitätsprüfung zum Beispiel mit dem Monofilament.

Zur weiterführenden Diagnostik empfiehlt Daikeler die kalibrierte Stimmgabel, um die Wahrnehmungsschwelle für Vibrationen zu bestimmen. Patienten ist einzuschärfen, möglichst täglich ihre Füße auf kleinere Verletzungen und Druckstellen zu inspizieren.

Grundlage der Therapie ist die vollständige Druckentlastung, also Bettruhe, Rollstuhl und Vorfußentlastungsschuhe. Zur Wundtherapie habe sich die Feuchtbehandlung etabliert. Bei Infektionen sei eine systemische Antibiose nach Abstrich nötig. Standardisierte Konzepte für die Behandlung bei diabetischem Fuß oder anderen Wunden gibt es im Wundnetz. Dem Verbund gehören über 20 deutsche Zentren an.

Weitere Informationen unter www.wundnetz.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »