Ärzte Zeitung, 13.09.2006

Diabetiker profitieren von früher strenger Therapie

Langzeitnutzen von strenger Blutzuckereinstellung belegt / Nach zehn Jahren weniger makrovaskuläre Ereignisse

LEIPZIG (hbr). Daß eine gute Blutzuckerkontrolle bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern mikrovaskulären Folgeerkrankungen vorbeugt, ist unstrittig. Inzwischen gibt es immer mehr Hinweise, daß dies auch für makrovaskuläre Folgeschäden gilt. Es dauert aber offenbar länger, bis dieser Nutzen sichtbar wird.

Blutzuckermessung bei einem Diabetes-Patienten. Eine frühe und konsequente Blutzuckereinstellung kann makrovaskuläre Ereignisse verhindern. Foto: sbra

Das hat Professor Matthias Weber aus Mainz bei einem Symposium in Leipzig berichtet. So wurde nicht nur in allen großen epidemiologischen Studien ein erhöhter HbA1c-Wert als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen belegt.

Zwei Studien ergaben zudem einen signifikanten Einfluß des HbA1c-Wertes auf makrovaskuläre Ereignisse, und zwar die DCCT (Diabetes Control and Complication Trial)-Folgestudie und die UKPDS (United Kingdom Prospective Diabetes Study).

In der UKPDS wurden 4000 Typ-2- Diabetiker im Mittel zehn Jahre lang nachbeobachtet. Ein Teil der Patienten wurde intensiv mit Medikamenten behandelt. Zielwert war ein Nüchtern-Blutzucker unter 108 mg/dl (6 mmol/l). Ein Teil der Patienten bekam eine konventionelle Therapie mit Diät. Medikamente wurden erst bei Hyperglykämien oder Nüchternwerten ab 270 mg/dl (15 mmol/l) angewendet.

Ergebnis: Bei strenger Blutzuckereinstellung war die Rate mikrovaskulärer Schäden signifikant um 25 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe. Makrovaskuläre Ereignisse waren bei intensiver Therapie um 16 Prozent vermindert. Jedoch war das Ergebnis statistisch nicht signifikant.

Inzwischen ergeben jedoch Daten einer Nachbeobachtung über fünf Jahre ein neues Bild: "Die frühe intensive HbA1c-Einstellung hat bei den Patienten nach fünf Jahren zu einer signifikant erniedrigten Rate von makrovaskulären Ereignissen geführt", so Weber bei der vom Unternehmen Takeda geförderten Veranstaltung.

Daten der DCCT-Studie stützen dieses Ergebnis. Darin wurden 1400 Typ-1-Patienten zehn Jahre mit intensivierter oder konventioneller Insulintherapie behandelt. Patienten mit intensivierter Insulintherapie hatten danach einen niedrigeren HbA1c-Wert und weniger mikrovaskuläre Schäden. Anschließend erhielten alle Patienten eine intensivierte Therapie und wurden zehn Jahre lang nachuntersucht.

Das Ergebnis: Die Rate kardiovaskulärer Ereignisse war bei Patienten mit primärer intensiver Therapie - zehn Jahre später - signifikant um über 40 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe. Der Effekt war zum großen Teil auf die frühe strenge Blutzuckerkontrolle zurückzuführen.

Dazu paßt auch die Entwicklung der Intima-Media-Dicke: Sie war zum Ende der Studie in beiden Gruppen gleich. Nach zehn Jahren Nachbeobachtung war die Intima-Media-Dicke in der anfangs intensiv behandelten Gruppe um ein Drittel niedriger.

Der Körper profitiert also von einer frühzeitigen strengen Blutzuckereinstellung auch noch nach vielen Jahren. Weber plädierte deshalb dafür, Patienten mit gestörtem Glukosestoffwechsel schon früher als bisher üblich zu behandeln und dabei strenge Zielwerte anzustreben.

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