Forschung und Praxis, 26.06.2006

Hoher Blutzucker verschlechtert mentale Leistung

Eine schlechte Blutzuckereinstellung beeinträchtigt die kognitive Leistungsfähigkeit von Diabetikern. Dabei können diese Funktionseinbußen sowohl durch schwere Hyper- als auch schwere Hypoglykämien induziert werden.

So haben etwa experimentelle Untersuchungen mit Probanden ergeben, daß sich bereits kurze, starke Erhöhungen des Blutzuckers negativ auf die kognitiven Funktionen auswirken - etwa auf Reaktionszeit, Aufmerksamkeit oder die Informationsverarbeitung.

Außerdem häufen sich die Fehler beim Lösen neuropsychologischer Testaufgaben, wie in Leipzig Kamila Chara von der Medizinischen Klinik I der Universität Lübeck berichtet hat. Die Blutzuckerschwelle, ab der solche kognitiven Beeinträchtigungen auftreten, liegt offenbar bei 300 mg / dl. Bei Werten bis zu 190 mg / dl komme es dagegen zu keiner Einschränkung der kognitiven Funktionen.

Eine chronische Hyperglykämie, wie sie bei Diabetikern vorliegt, verursacht langfristige Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten einschließlich des Gedächtnisses. Chara zitierte eine britische Studie, in der Diabetiker mit einem hohen HbA1c bereits nach vierjähriger Erkrankungsdauer in kognitiven Tests signifikant schlechter abschnitten als gleichaltrige Nicht-Diabetiker.

Auch hohe Hypoglykämie-Rate beeinträchtigt das Lernen

Die kognitive Leistung wird auch während einer akuten Hypoglykämie, und zwar bei Werten unter 50 bis 60 mg / dl, gestört. Erwachsene und Kinder scheinen auf wiederholte Hypoglykämien unterschiedlich zu reagieren. So konnten bei Erwachsenen keine kognitiven Einbußen aufgezeigt werden.

Möglicherweise ist das Gehirn in der Lage, sich an tiefe Blutzuckerwerte zu adaptieren, vermutet Chara. Bei Schulkindern dagegen sei belegt, daß häufige schwere Hypoglykämien zu schlechteren Schulleistungen führen. Offenbar bestehe eine unterschiedliche Vulnerabilität des Gehirns in Abhängigkeit vom Alter der Patienten. (mar)

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