Forschung und Praxis, 26.06.2006

Vorteile der Kombination mit Insulin glargin

Reichen orale Antidiabetika allein zur Blutzucker-Einstellung nicht mehr aus, wird es Zeit für die Insulin-Therapie. Foto: AOK

Zur Verbesserung der Blutzuckereinstellung bei Typ-2-Diabetikern müssen orale Antidiabetika häufig mit Insulin kombiniert werden. Dabei ist eine additive Behandlung mit Insulin glargin als Basalinsulin (einmal täglich) vorteilhafter als die Kombination mit einem kurzwirksamen Insulin-Analogon (dreimal täglich).

Diese Schlußfolgerung zog Professor Reinhard Bretzel, Gießen, aus Ergebnissen der APOLLO-Studie, die er auf einer von Sanofi-Aventis organisierten Pressekonferenz beim Kongreß der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA) in Washington vorgestellt hat.

Gelingt es mit oralen Antidiabetika (OAD) allein nicht mehr, den Blutzucker bei Typ-2-Diabetikern gut einzustellen, bietet sich zur Therapieoptimierung eine Kombination mit Insulin an. Zwei Strategien sind denkbar. Zum einen kann zusätzlich ein lang wirkendes Basalinsulin gegeben werden mit dem Ziel, primär den Nüchtern-Blutzuckerspiegel zu senken.

Zum anderen können OAD mit einem kurzwirksamen Insulin-Analogon, zu den Hauptmahlzeiten gegeben, kombiniert werden. Ziel wäre in diesem Fall die Verbesserung der postprandialen Blutzuckerwerte.

Um zu klären, welche von beiden Strategien die vorteilhaftere ist, haben Bretzel und seine Mitarbeiter die multinationale APOLLO-Studie auf den Weg gebracht. Daran beteiligt waren über 400 Typ-2-Diabetiker, deren HbA1c-Wert trotz eines OAD-Regimes im suboptimalen Bereich (> 7,5 bis < 10,5 Prozent) lag.

Aufgeteilt auf zwei Gruppen erhielten die Patienten für die Dauer von 44 Wochen zusätzlich zur unverändert fortgesetzten OAD-Behandlung entweder Insulin glargin (Lantus®) als abendliche Einmalinjektion oder dreimal täglich Insulin lispro zu den Mahlzeiten.

Gemessen an der Veränderung der HbA1c-Werte (primärer Endpunkt) beobachteten die Untersucher in beiden Behandlungsgruppen eine signifikante Verbesserung der Blutzuckereinstellung. Mit Insulin glargin sank der HbA1c-Wert von initial 8,71 auf 6,96 Prozent, mit Insulin lispro von initial 8,64 auf 6,77 Prozent. In der am HbA1c bemessenen Wirksamkeit bestand demnach kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Regimen.

Unterschiede gab es aber in anderer Hinsicht. Bei Injektion des Basalinsulins war die Blutzuckereinstellung mit Blick sowohl auf die Nüchtern- als auch nächtlichen Glukosewerte deutlich besser als mit dem kurzwirksamen Insulin-Analogon. Erwartungsgemäß senkte Insulin lispro stärker die postprandialen Blutzuckerspiegel.

Bei Behandlung mit Insulin glargin war zudem die Zahl der Hypoglykämie-Ereignisse signifikant niedriger als bei prandialer Gabe von Insulin lispro (5,4 versus 24,4 Ereignisse pro Patient und Jahr).

Die Frage, mit welchem von beiden Insulin-Regimen eine OAD-Therapie bei nachlassender Wirkung am besten kombiniert werden sollte, hält Bretzel angesichts dieser Studienergebnisse für beantwortet: Nach seiner Ansicht sprechen Vorteile wie die niedrigere Hypoglykämie-Rate und die erheblich geringere Zahl notwendiger Insulininjektionen und Blutzuckerselbstmessungen zugunsten der Kombination von OAD plus Insulin glargin. (ob)

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