Diabetes

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Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

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Ärzte Zeitung, 28.06.2006

Enzym-Hemmer fördert physiologische Insulinsekretion

Mit Sitagliptin ist die Hypoglykämie-Rate nicht höher als mit Placebo / Blutzuckerwerte werden nüchtern und postprandial effektiv reduziert

WASHINGTON (ej). Das neue orale Antidiabetikum Sitagliptin reduziert signifikant den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetes - sowohl in Monotherapie als auch in Ergänzung zu Metformin oder Pioglitazon. Die Substanz hemmt den Abbau von Inkretinen, im Darm gebildeten Hormonen, die die Insulin-Ausschüttung im Pankreas stimulieren.

Der Wirkmechanismus der Substanz ist neu: Sie hemmt den Abbau des Inkretins GLP-1 (Glucagon-like-Peptid 1) und kompensiert so die verminderte Inkretinsekretion bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.

"100 mg Sitagliptin hemmen binnen 24 Stunden zu etwa 80 Prozent das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4), das Inkretine abbaut", hat Professor Avrahim Karasik von der Tel-Aviv-Universität in Israel berichtet. Damit werde der Inkretinmangel bei Typ-2- Diabetes behoben, und die durch Inkretine bei Nahrungsaufnahme stimulierte Insulinproduktion werde wiederhergestellt.

Wie effizient dieses neue Wirkprinzip ist, belegen die Daten von drei kontrollierten Studien, in denen 1415 Typ-2-Diabetiker über 24 Wochen mit Sitagliptin - meist täglich 100 mg - oder Placebo behandelt worden sind. Der Wirkstoff reduzierte dabei den HbA1c um 0,6 bis 1,1 Prozentpunkte und damit signifikant stärker als Placebo.

    Neuer Mechanismus setzt bei den Inkretin-Hormonen an.
   

"Je höher der HbA1c-Ausgangswert, desto besser der Therapieeffekt", betonte Karasik. Auch wurden mit Sitagliptin die Blutzuckerwerte nüchtern und zwei Stunden postprandial effektiv reduziert, hieß es bei einer Veranstaltung des Unternehmens MSD beim US-Diabeteskongreß.

Daß ein körpereigener Wirkmechanismus aktiviert werde, könnte die gute Verträglichkeit von Sitagliptin erklären, so Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum Bad Lauterberg: "Es besteht im Prinzip kein Hypoglykämie-Risiko, da GLP-1 unterhalb eines Blutzuckerwerts von 70 mg/dl nicht mehr wirksam ist."

Die Rate von Unterzuckerungen war mit Sitagliptin nicht höher als mit Placebo. Kopfschmerzen, Atemwegsbeschwerden und Diarrhoe kamen mit Sitagliptin etwa 1,5 Prozent geringfügig häufiger vor als in der Placebogruppe. Und trotz verbesserter Blutzuckereinstellung erwies sich Sitagliptin als gewichtsneutral, auch in der Kombitherapie etwa mit Metformin und Pioglitazon.

Dort verbesserte die additive Therapie die Blutzuckerkontrolle, führte aber nicht zu mehr Körpergewicht. Besonders im Vergleich zu einem Sulfonylharnstoff, mit dem sich Sitagliptin nach den ersten Studiendaten erfolgreich messen konnte, dürfte dies ins Gewicht fallen. Die Zulassung von Sitagliptin wird 2007 erwartet.

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