Ärzte Zeitung, 01.09.2006

Antidiabetikum senkt den Blutzucker und schützt außerdem die Gefäße

Typ-2-Diabetiker mit Gefäßerkrankungen profitieren von Pioglitazon

LEIPZIG (hbr). "Mit Pioglitazon kann man bei Patienten mit Diabetes und manifester Herzkrankheit eine gefäßprotektive Wirkung erreichen", sagt Professor Diethelm Tschöpe. Kardiovaskuläre Ereignisse werden seltener. Außerdem brauchen weniger Patienten eine Insulintherapie.

Professor Diethelm Tschöpe: Die Senkung des vaskulären Risikos ist ein wichtiges Ziel bei Diabetes. Foto: eh

Die Senkung des vaskulären Risikos gehört zu den wichtigsten Zielen der Therapie von Diabetikern. Denn noch immer sterben drei von vier Patienten an Gefäßproblemen, so der Diabetologe vom nordrhein-westfälischen Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen. Es kommt bei diesen Patienten also entscheidend darauf an, außer dem Blutzucker auch die Gefäße im Auge zu behalten.

Glitazone bieten die Möglichkeit, beide Aspekte der Krankheit anzugehen. Denn zum einen senken sie die Insulinresistenz und dadurch den Blutzucker. Zum anderen sind Glukose-unabhängige Effekte auf das kardiovaskuläre System bekannt. Etwa die Stabilisierung atherosklerotischer Plaques, die Verbesserung des myokardialen Blutflusses und ein günstiger Einfluß auf die Intima-Media-Dicke.

Die Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse hat die PROactive-Studie (PROspective pioglitAzone ClinicalTrial In macroVascular Events Study) für Pioglitazon belegt. Teilnehmer waren über 5 000 Typ-2-Diabetiker mit makrovaskulären Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, KHK oder mit perkutaner Koronarintervention. Jeder zweite hatte mehrere dieser Komplikationen.

Die Zugabe des Glitazons zur Standardtherapie ergab im Vergleich zu Plazebo klare Vorteile: Nach drei Jahren war der Endpunkt aus Tod, nicht-tödlichem Herzinfarkt und Apoplexie signifikant um 16 Prozent niedriger als mit Placebo.

Das habe sich bereits nach sechs Monaten ergeben. Noch deutlicher sind die Daten der 2 500 Studienteilnehmer mit früherem Herzinfarkt, sagte Tschöpe bei einer Veranstaltung von Takeda in Leipzig. Bei ihnen reduzierte Pioglitazon (Actos®) das Risiko für ein akutes Koronarsyndrom um 37 Prozent.

Und bei Herztod, Gesamtmortalität, nicht-tödlichem Infarkt und koronarer Revaskularisierung ergab sich der gleiche Trend: Bei den Ereignissen wurde zwar keine signifikante, aber je eine deutliche Abnahme beobachtet.

Zudem mußten mit Pioglitazon weniger Patienten zur Insulintherapie übergehen. Patienten, die das Hormon vorher nicht erhalten hatten, mußten mit Pioglitazon nur zu elf Prozent neu damit beginnen. Bei der Therapie mit Placebo dagegen waren es 21 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

Das sind die Wünsche an die neue Weiterbildung

Am Freitag steht die Musterweiterbildungsordnung auf der Agenda des Deutschen Ärztetags. Wir haben dazu drei junge Ärzte und den BÄK-Beauftragen Bartmann befragt. mehr »

"Sportlich, unrealistisch, überkommen"

Am Donnerstagnachmittag debattiert der Deutsche Ärztetag über die GOÄ-Novellierung. Unsere Video-Reporter haben sich vorab dazu umgehört. mehr »