Ärzte Zeitung, 16.10.2006

Inkretin-Mimetikum senkt HbA1c ähnlich wie Mischinsulin

Daten nach einjähriger Exenatide-Therapie / Signifikant stärkere Gewichtsreduktion

KOPENHAGEN (ej). In der bisher längsten kontrollierten Vergleichsstudie bei Typ-2-Diabetikern ist das Inkretin-Mimetikum Exenatide mindestens so wirksam wie eine biphasische Therapie mit Mischinsulin.

Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum Bad Lauterberg. Foto: ej

"Es ist eine echte Alternative zur Mischinsulintherapie", sagte Professor Michael Nauck aus Bad Lauterberg, der die Daten der Einjahresstudie auf dem 42. Europäischen Diabeteskongreß präsentierte.

Ein besonderes Plus sei die signifikant günstigere Gewichtsentwicklung bei Therapie mit Exenatide. An der 52wöchigen Vergleichsstudie nahmen 501 Patienten teil, die trotz Metformin plus Sulfonylharnstoff ihre Therapieziele nicht erreicht hatten. Die Studienteilnehmer waren im Mittel 59 Jahre alt, hatten einen mittleren BMI von 30,4 kg/m² und einen durchschnittlichen HbA1c-Wert von 8,6 Prozent.

Normalerweise wäre bei diesen Patienten Insulin der nächste Therapieschritt. Alternativ dazu wird demnächst das Inkretin-Mimetikum Exenatide zur Verfügung stehen, wie auf der vom Unternehmen Lilly unterstützten Veranstaltung zu erfahren war. Die Substanz wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2007 in Europa die Zulassung bekommen.

Da die Insulinsekretion maßgeblich durch Inkretine wie GLP-1 (Glucagon Like Peptide 1) gesteuert wird, biete die neue Substanzklasse der Inkretin-Mimetika einen pathogenetisch orientierten Therapie-Ansatz, sagte Nauck.

Ob Exenatide ähnlich wirksam ist wie das biphasische Insulin aspart (30/70), wurde in einem direkten Vergleich geprüft. Nach Randomisierung erhielten 253 Patienten zusätzlich zur oralen Therapie Exenatide in der Standardzieldosis von zweimal täglich 10 µg. Die anderen 248 Patienten erhielten zweimal täglich das Mischinsulin, in individueller Dosierung.

52 Wochen nach Studienbeginn hatte sich mit beiden Therapien der HbA1c-Wert verbessert: Mit Exenatide um 1,0 und mit Insulin aspart um 0,9 Prozentpunkte. Etwa ein Drittel der mit Exenatide behandelten Patienten erzielten einen HbA1c-Wert von sieben Prozent, einem Fünftel gelang das mit dem Mischinsulin.

Einen signifikanten Unterschied gab es beim durchschnittlichen Körpergewicht. Die durchweg übergewichtigen bis adipösen Studienteilnehmer verloren unter Exenatide im Schnitt 2,5 kg, mit dem Mischinsulin nahmen sie 2,9 kg zu. Da Exenatide wie GLP wirkt, stimuliert es nicht nur glukoseabhängig die Insulinsekretion, sondern bremst gleichzeitig die Glukagonsekretion und verlangsamt die Magenentleerung.

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