Ärzte Zeitung, 26.09.2006

Inhaliertes Insulin wirkt trotz leichter Atemwegsinfektionen

Daten aus 14 Studien bestätigen Sicherheit der präprandialen Behandlung von Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes

KOPENHAGEN (ej). Präprandial inhaliertes Insulin ist auch dann zuverlässig und effizient wirksam, wenn während der Behandlung eine Atemwegsinfektion auftritt. Dies schließt Professor Philippe Camus vom Universitätsklinikum Dijon aus einer retrospektiven Metaanalyse von 14 kontrollierten Studien mit dem inhalierten Trockeninsulinpulver.

Professor Chantal Mathieu von der
Katholischen Universität in Leuven: Sich selbst zu spritzen kostet die Patienten Überwindung.
Foto: ej

Die Frage, wie sicher das präprandial inhalierbare Trockeninsulin ist, das von Pfizer als Exubera® angeboten wird, stand von Anfang an im Mittelpunkt der klinischen Studien. Davon zeugt die präzise Dokumentation aller Ereignisse wie Bronchitis, Laryngitis, Pharyngitis, Rhinitis bis hin zur Pneumonie und zum Asthma.

Diese Daten von 14 Phase-II und Phase-III-Studien mit nahezu 4000 Patienten wurden beim Europäischen Diabeteskongreß erstmals publiziert. Dabei stellte sich heraus, daß während der 3- bis 24monatigen Studien etwa die Hälfte der Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes eine oder mehrere Episoden mit Atemwegsinfektion hatten.

Bei fast keinem Patienten wurde die Therapie verändert

Bei 97 Prozent der Ereignisse wurde die Therapie unverändert fortgesetzt. Dabei gab es während 1123 Atemwegsinfektionen bei 1277 Patienten mit Typ-2-Diabetes keine nennenswerten Unterschiede in den HbA1c- und Nüchternblutzucker-Werten. Auch die Rate der leichten bis schweren Hypoglykämien veränderte sich während der Infektionsphasen nicht.

Bei den Studienteilnehmern mit Typ-1-Diabetes, von denen 698 vor den Mahlzeiten das Trockeninsulinpulver inhalierten und 705 subkutan Insulin injizierten, erhöhten sich die Nüchternblutzucker-Werte: Während der Infektionsperiode wurde bei den Patienten, die inhalierten, morgens ein um 9 mg/dl höherer Blutzucker gemessen. In der Gruppe mit subkutaner Applikation lag der Nüchternwert um 4 mg/dl höher. Mit dem inhalativen Insulin gab es vier Ereignisse pro Patientenmonat, bei der subkutanen Therapie waren es 34,4 Ereignisse. Die Rate schwerer Hypoglykämien stieg in beiden Gruppen während der Infektionsphase leicht.

Das große Plus ist die schmerzfreie Applikation

"Somit ist das inhalative Trockeninsulinpulver selbst bei Atemwegsinfektionen genauso gut verträglich wie subkutanes Insulin", sagte Professor Chantal Mathieu von der Katholieke Universiteit in Leuven in Belgien zur "Ärzte Zeitung". Die Diabetologin sieht das große Plus der neuen Insulinapplikation in der Schmerzfreiheit.

"Sich selbst zu spritzen kostet Überwindung und ist mit der Angst verbunden, etwas falsch zu machen, abhängig oder stigmatisiert zu sein." Trotz dieser guten Daten ist das inhalative Insulin aus Sicherheitsgründen bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, mittelschwerem und schwerem Asthma oder COPD kontraindiziert.

STICHWORT

Inhaliertes Insulin

Beim inhalierbaren Humaninsulin handelt es sich um einzeldosiertes Pulver. Es ist ein schnell wirksames Normalinsulin und wird innerhalb von zehn Minuten vor dem Essen inhaliert. Die Wirkung tritt ähnlich rasch ein wie bei den subkutan verabreichten schnell wirkenden Insulinanaloga.

Besonders geeignet ist inhalierbares Humaninsulin für Typ-2-Diabetiker, bei denen orale Antidiabetika für eine Stoffwechselkontrolle nicht ausreichen.

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