Ärzte Zeitung, 19.10.2006

Nüchternglukose unter 100 mg/dl ist gut fürs Herz

Register mit 2353 Patienten

KOPENHAGEN (hbr). Der Diagnosebereich für einen gestörten Nüchternblutzucker wurde vor kurzem von 110 bis 125 mg/dl auf 100 bis 125 mg/dl erweitert. Grund ist das bereits bei niedrigeren Werten erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Für die Krankenhaus-Sterberate nach einem Herzinfarkt scheint das aber nicht zu gelten.

Das hat Professor Bruno Vergès aus Frankreich beim europäischen Diabeteskongreß in Kopenhagen berichtet. Vergès hat die Daten eines französischen Herzinfarkt-Registers ausgewertet: Bei 2353 Infarkt-Patienten war der Blutzucker am vierten und fünften Tag nach der Einweisung gemessen worden.

Elf Prozent dieser Patienten hatten erhöhte Nüchternglukosewerte zwischen 110 und 125 mg/dl. Bei 14 Prozent waren die Nüchternwerte leicht erhöht (100 bis 109 mg/dl). 34 Prozent hatten normale Nüchternwerte und 41 Prozent einen manifesten Diabetes.

Während des Krankenhaus-Aufenthaltes starben unter den Patienten mit Diabetes oder mit stark erhöhtem Nüchternblutzucker signifikant mehr an kardiovaskulären Ereignissen als unter den Patienten mit normalen Glukosewerten. Auch eine Herzinsuffizienz trat in diesen Gruppen signifikant häufiger auf, so Vergès.

So war etwa die Herzinsuffizienz-Rate bei Patienten mit stark erhöhtem Nüchternblutzucker mit 42 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei Patienten mit normalen Werten. Zudem betrug die kardiovaskuläre Sterberate bei hohen Nüchternwerten 5,3 Prozent (versus 1,8 Prozent bei normalen Werten).

Bei Patienten mit leicht erhöhten Nüchternwerten kamen weder eine Herzinsuffizienz noch Tod durch kardiovaskuläre Ereignisse gehäuft vor. "Bei Herzinfarkt-Patienten ist ein hoher Nüchternwert zwischen 110 und 125 mg/dl ein unabhängiger Prädiktor für die kardiovaskuläre Sterberate und die Herzinsuffizienz im Krankenhaus", so Vergès. Das gelte aber nicht für Nüchternwerte zwischen 100 und 109 mg/dl.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »