Ärzte Zeitung, 23.10.2006

AT1-Blocker nützt nierenkranken Diabetikern

Behandlung mit Losartan senkt das Dialyse-Risiko / Der Blutdruck sollte nicht über 130/85 mmHg liegen

HAMBURG (grue). Für die Behandlung von Typ-2-Diabetikern mit Nephropathie werden Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems empfohlen. Denn damit sinkt unter anderem das Dialyse-Risiko, wie für den AT1-Blocker Losartan belegt worden ist.

Patienten in einer Dialysepraxis: Werden Diabetiker mit Nephropathie konsequent antihypertensiv behandelt, sinkt das Risiko dialysepflichtig zu werden. Foto: klaro

Die Ursache einer terminalen Niereninsuffizienz ist zu 40 Prozent eine diabetische Nephropathie. Die Progression läßt sich durch gute Blutdruckeinstellung wesentlich hinauszögern, hat Professor Matthias Blumenstein aus München bei einer Veranstaltung des Unternehmens MSD in Hamburg erinnert.

Blumenstein bezog sich bei seinen Aussagen auf die Ergebnisse der RENAAL*-Studie, an der über 1500 Typ-2-Diabetiker mit Nephropathie teilgenommen haben. Sie wurden für durchschnittlich 3,4 Jahre entweder mit dem AT1-Blocker Losartan (Lorzaar®) oder mit Placebo behandelt worden.

Der primäre kombinierte Endpunkt war die Verdoppelung der Ausgangs-Kreatininwerte, terminales Nierenversagen und Gesamtsterberate. Dieser Endpunkt wurde mit Losartan um 16 Prozent seltener als mit Placebo erreicht (absolut 43,5 Prozent versus 47,1 Prozent), zitierte Blumenstein aus den Studienergebnissen.

Das Risiko, eine terminale Niereninsuffizienz zu entwickeln, ein sekundärer Endpunkt der Studie, sei mit Losartan signifikant um 28 Prozent (absolut 25 Prozent versus 33 Prozent) verringert gewesen. In ähnlichem Ausmaß (22 Prozent versus 30 Prozent) habe das Medikament die Patienten vor einer Verdoppelung der Serum-Kreatininwerte geschützt, so Blumenstein.

"Das bestätigt die Bedeutung der antihypertensiven Therapie bei nierenkranken Diabetikern", sagte Blumenstein. Bei diesen Patienten sollte der Blutdruck nicht über 130/85 mmHg liegen, weil sonst das Risiko sowohl für renale als auch für kardiovaskuläre Symptome steige.

"Selbst ein harmlos erscheinender Kreatininwert von 1,5 mg/dl kann, wenn andere Risikofaktoren hinzukommen, das Sterberisiko deutlich erhöhen", so Blumenstein.

Die Therapie beschrieb er anhand eines Beispiels: Eine adipöse Frau mit einem Kreatininspiegel von 1,5mg/dl habe eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) von weniger als 60 ml/min/1,73 m2. Damit habe sie eine behandlungsbedürftige Nierenfunktionsstörung. Für die antihypertensive Therapie kämen AT1-Blocker und ACE-Hemmer in Frage. Denn nur diese Substanzen hätten zudem eine renoprotektive Wirkung.

*Reduction of Endpoints in Non-Insulin Dependent Diabetes Mellitus with the Angiotensin II Antagonist Losartan

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »