Sitagliptin steigert Insulinsekretion bei Typ-2-Diabetes nach Bedarf

BERLIN (hbr). Das neue orale Antidiabetikum Sitagliptin ist in den USA zur Behandlung von Typ-2- Diabetikern bereits zugelassen. Es bietet einige Vorteile für Patienten: Die Insulinsekretion wird mit dem Präparat bedarfsgerecht gesteigert. Das Risiko für Hypoglykämien ist somit gering. Außerdem zügelt der Wirkstoff den Appetit.

Veröffentlicht:

Das hat Professor Hellmuth Mehnert beim Symposium für praktische Diabetologie in Berlin berichtet. Sitagliptin ist eine völlig neue Substanz: Sie verlängert die Wirkdauer der Inkretin-Hormone GLP-1 (Glucagon-like-Peptide 1) und GIP (Glucose-dependent insulinotropic peptide), indem sie das abbauende Enzym Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4) hemmt.

Inkretin-Hormone sind für die postprandiale Regulation des Blutzuckerspiegels wichtig. Sie werden nach dem Essen im Darm freigesetzt und regen die Insulin-Sekretion an. Bei Typ-2-Diabetikern aber ist der GLP-1-Spiegel erniedrigt. Das ist ein Problem, denn 60 bis 70 Prozent des postprandialen Insulins wird aufgrund der Aktivität der Inkretine freigesetzt.

Inkretine forcieren die Freisetzung von Insulin nur bei erhöhten Blutzucker-Werten, sagte Mehnert bei einer Veranstaltung von MSD. Das Hypoglykämie-Risiko, das zum Beispiel bei Therapie mit Sulfonylharnstoffen besteht, ist bei Therapie mit Sitagliptin gering.

Gleichzeitig führt der DPP-4-Hemmer zu einer verzögerten Magen-Entleerung. Dadurch werden Kohlenhydrate über den Darm langsamer aufgenommen, und die postprandialen Blutzucker-Spiegel werden flacher. Daß auch der Appetit etwas nachläßt, ist ein bei Übergewicht willkommener Zusatzeffekt.

Wichtigster Effekt außer der gesteigerten Insulin-Ausschüttung ist aber der Einfluß auf die Glukagon-Freisetzung aus den Alpha-Zellen des Pankreas. Denn Glukagon fördert die Produktion von Glukose in der Leber. Die Glukagon-Ausschüttung ist zwar bei gesunden Menschen nach dem Essen supprimiert, nicht aber bei Typ-2-Diabetikern, die zudem noch 50 Prozent mehr Alphazell-Areale besitzen als gesunde Menschen.

Darauf hat Professor Dirk Müller-Wieland aus Hamburg hingewiesen. Bei ihnen erhöhen also nicht nur die verzehrten Kohlenhydrate den postprandialen Glukosespiegel, sondern auch die hepatische Glukose. Sitagliptin hemmt über die verstärkte GLP-1-Wirkung die Abgabe von Glukagon.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Künstliche Intelligenz

Algorithmen-gestützte Telemedizin bei Typ-1-Diabetes

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ein kleiner Stups

Mit Nudging-Interventionen die Grippe-Impfrate steigern

Metabolomics

Asthma: Künftig Bluttest zur Vorhersage von Exazerbationen?

Lesetipps
Arzt-Patient-Kontakt

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Depression, Angst, Schmerzen

Was zeichnet „schwierige“ Patientinnen und Patienten aus?