Ärzte Zeitung, 14.12.2006

Bedarf bei Diabetes in Schwellenländern

Daten zur Diabetikerversorgung in Osteuropa, Südamerika, Asien und Afrika / Therapieziele nur selten erreicht

KAPSTADT (hbr). Wie sind Diabetiker in Schwellenländern versorgt? Daten dazu werden in einem weltweiten Diabetesregister erhoben. Schon im ersten Jahr des Registers haben sich Hinweise auf Mängel ergeben: Notwendige Kontrollen werden zu selten gemacht und Therapieziele zu oft verfehlt.

Blutzuckermessung. In der Studie in Schwellenländern lagen bei den Diabetikern die Nüchternwerte zwischen 148 bis 163 mg / dl. Foto: Elke Hinkelbein

Daten der International Diabetes Management Practices Study (IDMPS) hat Professor Juliana Chan von der Uni Hongkong beim Welt-Diabeteskongreß in Kapstadt vorgestellt. In dem Register sollen bis 2009 etwa 80 000 Patienten aus Osteuropa, Afrika, dem Nahen Osten, Asien und Latein-Amerika erfaßt werden. Bisher wurden Daten von 2344 Patienten aus Osteuropa, von 2175 aus Lateinamerika und von 6660 aus Asien erhoben. Die Zahl aus Afrika und dem mittleren Osten wird im nächsten Jahr von 200 auf 3700 erhöht.

Bei Insulin-Therapie liegt der HbA1c im Mittel über 8 Prozent

Die erste Analyse umfaßt 8975 Patienten in ärztlicher Behandlung, davon 85 Prozent Typ-2-Diabetiker. Drei Prozent wurden mit Diät und Bewegung behandelt und hatten einen guten mittleren HbA1c-Wert von 6,9 Prozent. Zwei Drittel erreichten mit oralen Antidiabetika (OAD) 7,4 Prozent.

Das Drittel mit der längsten Diabetesdauer von zwölf Jahren kam mit Tabletten plus Insulin auf einen Wert von 8,3 Prozent - ähnlich schlecht wie die Typ-1-Diabetiker mit 8,2 Prozent. Den Ziel-Wert unter 7 Prozent erreichten zwei Fünftel der OAD-Patienten, aber nur jeder fünfte mit Insulin behandelte Typ-2- und jeder vierte Typ-1-Diabetiker. Die Nüchternwerte waren durchweg schlecht und lagen im Mittel zwischen 148 bis 163 mg / dl.

Nötige Untersuchungen wurden oft unterlassen. Die Bestimmung des HbA1c-Wertes etwa entfiel im Jahr zuvor bei jedem dritten Typ-2- und jedem vierten Typ-1-Patienten. Untersuchungen auf Retinopathie, Mikroalbuminurie, Neuropathie und der Fuß-Check wurden vor allem bei Typ-2-Diabetikern vernachlässigt. So fehlte bei 34 Prozent ein Test auf Mikroalbuminurie, aber nur bei jedem fünften Typ-1-Diabetiker.

Der Blutdruck war nur bei 20 Prozent ausreichend gesenkt

Bluthochdruck hatten zwei Drittel der Typ-2- und jeder fünfte Typ-1- Diabetiker. 90 Prozent davon wurden zwar behandelt, aber mit bescheidenem Erfolg: Nicht einmal jeder Fünfte schaffte es unter 130 / 80 mmHg, so Chan bei dem von Sanofi-Aventis geförderten Symposium. Und weniger als ein Fünftel der wegen Dyslipidämie behandelten Patienten konnten ihren LDL-Wert unter 100 mg / dl senken.

Die Versorgung muß also verbessert werden, betont Chan: Denn nur 3,2 Prozent der Typ-1- und 1,6 Prozent der Typ-2-Diabetiker erreichten alle drei empfohlenen Zielwerte: HbA1c-Wert unter 7 Prozent, Blutdruck unter 130 / 80 mmHg und LDL-Wert unter 100 mg / dl.

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