Ärzte Zeitung, 08.03.2007

GASTKOMMENTAR

Der Weltnierentag soll den Blick dafür schärfen, wie sehr Nephropathien immer noch unterschätzt werden

Von Jan Galle

   
 
"Wir Nephrologen hoffen, dass der Weltnierentag dazu beiträgt, das Bewusstsein für die Gesunderhaltung der Nieren bei Ärzten und Patienten zu schulen."
 
Professor Jan Galle
Direktor am Klinikum Lüdenscheid
   

Zwei internationale Organisationen, die International Society of Nephrology und die International Federation of Kidney Foundations, haben den heutigen 8. März 2007 als "Weltnierentag" ausgerufen. Ziel ist, das Bewusstsein für Nierenkrankheiten zu schärfen und auf das Problem der wachsenden Inzidenz von Nierenerkrankungen hinzuweisen. Auch die Nephrologen in Deutschland halten diesen Tag, an dem die Aufmerksamkeit für Nierenkrankheiten, ihre Prävention, Früherkennung und die Therapie von Patienten geschärft wird, für dringend erforderlich.

Gesellschaft für Nephrologie beteiligt sich an der Kampagne

Die Gesellschaft für Nephrologie beteiligt sich aktiv an der international ausgerufenen Präventionskampagne, die unter dem Motto "Are your kidneys ok?" / "Sind Ihre Nieren ok?" steht. Sie hat ein Informations-Faltblatt erstellt, das nun deutschlandweit in 2000 Apotheken ausliegt.

Bislang wurden Nierenerkrankungen in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen - und dabei sind immer mehr Menschen davon betroffen! Im Jahr 2005 mussten 16 766 Patienten neu eine dauerhafte Nierenersatztherapie beginnen; dies entspricht einer Neuerkrankungsrate von 203 pro Million Einwohner. Diese Zahl umfasst sowohl Hämo- und Peritonealdialysepatienten als auch jene Patienten, die ohne vorherige Dialysetherapie nierentransplantiert wurden (präemptive Therapie zum Vermeiden eines Ereignisses).

Ende 2005 befanden sich damit insgesamt 87 151 Patienten in chronischer Nierenersatztherapie (Dialyse und Transplantationsnachsorge). Die Gründe für die steigende Inzidenz von Nierenerkrankungen liegen in der demografischen Entwicklung und in der explosionsartigen Zunahme von Volkskrankheiten, die häufig Nierenleiden nach sich ziehen, etwa Diabetes und Bluthochdruck. Die Nierenersatztherapie mit Dialyse kostet jährlich durchschnittlich 50 000 Euro pro Patient - inbegriffen sind Dialyse, Transport, Medikamente, Krankenhausaufenthalte und Gefäßoperationen wie Shunt.

Gerade die diabetische Nephropathie schlägt zu Buche. Zurzeit gibt es weltweit 154 Millionen Diabetiker, und man rechnet mit einem drastischen Anstieg innerhalb der nächsten 20 Jahre, der wiederum die Inzidenz von Nierenerkrankungen steigen lässt. Das ist auch ein großes gesundheitsökonomisches Problem.

Die Früherkennung erspart vielen Menschen die Dialyse

Durch eine verbesserte Früherkennung könnten dem Gesundheitssy-stem erhebliche Kosten und vielen Patienten ein Leben mit Dialyse erspart bleiben: Der Albuminurie-Test, der frühzeitig eine geschädigte Filterfunktion der Nieren anzeigt, kostet nur wenige Euro und sollte laut Empfehlung der Gesellschaft für Nephrologie zum Zwei-Jahres-Check-Up für GKV-Patienten gehören.

Durch die Früherkennung kann der Arzt das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder zumindest verlangsamen. Wir Nephrologen hoffen, dass der Weltnierentag dazu beiträgt, das Bewusstsein für die Gesunderhaltung der Nieren zu schulen - bei den Patienten, den Hausärzten sowie den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik.

Die Zahlen zu Prävalenz und Inzidenz stammen aus dem neuen "Quasi-Niere-Bericht" http://www.quasi-niere.de.

ZUR PERSON

Professor Jan Galle ist Pressesprecher der Gesellschaft für Nephrologie. Seit Juli 2006 ist er Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren am Klinikum Lüdenscheid. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören Hypertension, Gefäßbiologie, Endothelfunktion und akutes Nierenversagen. 2002 wurde er mit dem Franz-Volhard Preis der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie ausgezeichnet. (eb)

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