Ärzte Zeitung, 02.04.2007

Blutzucker-Selbstmessung verbessert Prognose bei Diabetes

Spätfolgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall werden deutlich reduziert / Auch Patienten ohne Insulintherapie nützt die Glukose-Selbstkontrolle

NEU-ISENBURG (ner). Typ-2-Diabetiker, die ihren Blutzucker selbst messen, erleiden seltener Komplikationen als Diabetiker, die sich nicht regelmäßig kontrollieren. Von den Messungen profitieren auch Patienten, die kein Insulin spritzen.

So hatten in einer Subgruppe der ROSSO-Studie 742 ausschließlich auf orale Antidiabetika eingestellte Typ-2-Diabetiker mindestens ein Jahr lang ihren Blutzucker regelmäßig selbst kontrolliert. Den primären Studienzielparameter (Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputation, Erblindung, Dialysebehandlung oder Tod) erreichten in der mittleren Beobachtungszeit von 6,5 Jahren neun Prozent der Patienten in der Selbstmessgruppe und 13 Prozent in der Gruppe ohne Selbstmessung. Dieser Unterschied war signifikant. Das berichtete Professor Stephan Martin aus Düsseldorf beim Weltdiabetes-Kongress in Kapstadt in Südafrika.

Der Grund dafür sei offenbar ein bewusster Umgang mit der Krankheit und ein vergleichsweise gesünderer Lebensstil bei Blutzucker-Selbstmessung. Martin rät deshalb nicht nur bei insulinpflichtigen Diabetikern, sondern auch bei oraler Therapie zu Selbstmessungen. Denn so erhalte man rechtzeitig Informationen über Hypoglykämien, Änderungen des Lebensstils oder Auswirkungen vorübergehender Erkrankungen.

Martin erwähnte, dass selbst Diabetikern ohne pharmakologische Therapie die Selbstmessung genutzt habe. Vor allem werde die Langzeitprognose verbessert, betonte der Diabetologe mit Blick auf die Komplikations- und Mortalitätsraten: "Wir behandeln ja nicht nur, um den HbA1c zu senken, sondern um die Spätfolgen des Diabetes mellitus zu verhindern!"

Insgesamt hatten an der ROSSO-Studie mehr als 3200 teilweise bereits insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker aus Deutschland teilgenommen (wir berichteten). Innerhalb von 6,5 Jahren bekam jeder Zehnte von ihnen ohne Blutzucker-Selbstmessung eine nicht-tödliche Komplikation, bei regelmäßiger Selbstmessung des Blutzuckers waren es nur sieben Prozent. Die Sterblichkeitsraten betrugen 4,6 und 2,7 Prozent - ebenfalls ein signifikanter Unterschied.

DIE STUDIE IN KÜRZE

ROSSO-Studie

ROSSO: Retrospective Study "Self monitoring of Blood Glucose and Outcome in People with Type 2 Diabetes".

Studie: retrospektive Kohortenstudie mit 3268 Typ-2-Diabetikern aus Deutschland im Alter von durchschnittlich 60 bis 64 Jahren. 1479 dieser Patienten (45,3 Prozent) inklusive 32 Prozent nicht insulinpflichtiger Diabetiker begannen eine Blutzuckerselbstmessung.

Zielparameter: kombinierter Endpunkt aus Myokardinfarkt, Schlaganfall, Amputation, Hämodialyse, Erblindung innerhalb von durchschnittlich 6,5 Jahren sowie Mortalitätsrate.

Ergebnisse: Neun Prozent der Patienten in der Selbstmess-Gruppe und 13 Prozent in der Gruppe ohne Selbstmessung erreichten den kombinierten Studienendpunkt. Dieser Unterschied ist signifikant. (ner)

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