Ärzte Zeitung, 30.04.2007

Für Schwangere ist ein Insulin-Analogon günstig

Bei Diabetikerinnen mit Insulin-Aspart-Therapie ist die Rate von Frühgeburten verringert / Studie mit 322 Frauen

ISTANBUL (hbr). Das kurzwirksame Analog-Insulin Aspart ist auch bei schwangeren Frauen mit Diabetes mellitus sicher anwendbar. Das Bolus-Insulin kann die postprandialen Glukosewerte verbessern und das Risiko für Frühgeburt, schwere Hypoglykämien und für den Verlust des Fötus günstig beeinflussen.

Blutzuckermessen in der Schwangerschaft: Jede 100. Frau im gebärfähigen Alter ist schon vor der Empfängnis zuckerkrank. Weitere zwei bis fünf Prozent entwickeln einen Schwangerschaftsdiabetes. Foto: DAK/Wigger

Professor Elisabeth Mathiesen betreut eines der weltweit größten Zentren für schwangere Frauen mit Diabetes an der Universitätsklinik Kopenhagen. Beim internationalen Symposium "Diabetes und Schwangerschaft" in Istanbul hat die Diabetologin Daten zum Einsatz von Insulin Aspart (Novo Rapid) bei Schwangeren mit Typ-1-Diabetes vorgestellt. Das Insulin ist in Europa für diese Patientengruppe einsetzbar.

Größte kontrollierte Studie zu Insulin und Schwangerschaft

In der Studie wurden Sicherheit und Wirksamkeit des Analogons im Vergleich zu herkömmlichem Normal-insulin geprüft. Mit 322 Teilnehmerinnen handelt es sich um die bisher größte randomisiert-kontrollierte Studie zur Therapie mit Insulin in der Schwangerschaft, sagte Mathiesen bei einer Veranstaltung von Novo Nordisk. Die Frauen beider Gruppen injizierten als Basalinsulin ein NPH-Verzögerungsinsulin.

Schwere Unterzuckerungen, bei denen die Patientinnen auf Fremdhilfe angewiesen waren, traten bei Behandlung mit Insulin Aspart um 28 Prozent seltener auf als in der Gruppe mit Normalinsulin (113 versus 174 Ereignisse). Besonders die schweren nächtlichen Hypoglykämien wurden mehr als halbiert. Die Unterschiede sind zwar statistisch nicht signifikant, aber klinisch ganz klar relevant. Das gilt auch für den Verlust des Kindes während der Schwangerschaft: 21 Ereignissen unter Normalinsulin standen nur 14 unter dem Analoginsulin gegenüber.

Generell haben Schwangere mit Typ-1-Diabetes ein dreifach erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Kindes - zum Beispiel für Neuralrohrdefekte. In der Studie wurden in der Aspart-Gruppe jedoch tendenziell weniger schwere Fehlbildungen gezählt: sechs in Vergleich zu neun unter Humaninsulin.

Auch die Rate an Frühgeburten war in der Gruppe mit dem Analogon verringert. Im Normalfall hat etwa jede dritte Schwangere mit Typ-1-Diabetes eine Frühgeburt. Tatsächlich trat dieses Ereignis in der Studie auch bei 30 Prozent der mit Normalinsulin behandelten Frauen auf. In der Aspart-Gruppe dagegen betrug die Rate nur 20 Prozent. Dieser Unterschied schrammt nur um Haaresbreite an der Signifikanz vorbei und ist nach Angaben von Mathiesen ebenfalls klinisch relevant.

STICHWORT

Jede 30. Schwangere ist zuckerkrank

Schwanger und Diabetes - das ist kein medizinischer Kolibri: Es betrifft drei bis sechs Prozent der Schwangeren. Jede 100. Frau im gebär-fähigen Alter ist schon vor der Empfängnis zuckerkrank. Weitere zwei bis fünf Prozent entwickeln einen Schwangerschaftsdiabetes.

Hohe Blutzuckerwerte in verschiedenen Stadien der Schwangerschaft haben Folgen für das Kind: Das Risiko für Frühgeburt, perinatalen Tod, Totgeburt, schwere Fehlbildungen, Makrosomie, Hypoglykämien nach der Geburt und Atemnotsyndrom ist jeweils zwei- bis zehnfach erhöht.

Eine gute metabolische Kontrolle schon vor und in der Schwangerschaft kann die Gefahren verringern. Der Blutzucker sollte dazu so normnah wie möglich eingestellt werden, rät Professor Elisabeth Mathiesen. (hbr)

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