Verbessert eiweißreiche Kost Stoffwechsel von Diabetikern?

HAMBURG (ugr). Die Leitlinien der Fachgesellschaften zur Ernährungstherapie könnten in naher Zukunft geändert werden - besonders was die Versorgung mit Proteinen angeht. Denn eine eiweißreiche Ernährung scheint die Stoffwechsellage von Diabetikern günstig zu beeinflussen, sagte Professsor Hans Hauner von der TU München beim Diabetes-Kongress in Hamburg.

Veröffentlicht:

Hauner stellte bei einem vom Unternehmen Abbott ausgerichteten Symposium Ergebnisse mehrerer klinischer Untersuchungen vor, in denen eine eiweißreiche Diät mit einer eiweißnormalen Ernährung bei Diabetikern verglichen wurde. "Überraschenderweise ergaben sich unter den eiweißreichen Diäten mit bis zu 30 Prozent der täglichen Gesamtenergiemenge durchweg bessere Stoffwechseleinstellungen bei Blutglukoseverlauf, HbA1c-Wert und Serumlipiden im Vergleich zu einer Kontrollkost mit einem Eiweißanteil von 15 Prozent und höherer Kohlenhydratzufuhr", berichtete der Ernährungsmediziner. So wurde in einer Untersuchung der Blutzuckerspiegel bei proteinreicher Diät um 40 Prozent, der HbA1c-Wert um 0,7 Prozent gesenkt. Bei der eiweißnormalen Diät war es jeweils nur die Hälfte. Auch der Gewichtsverlust war bei der stark eiweißhaltigen Nahrung größer. Allerdings handelte es sich zumeist um kleinere Studien von nur wenigen Wochen; Langzeitdaten fehlten noch, merkte Hauner an.

Auch die Eiweißquelle scheint den Untersuchungen zufolge von Bedeutung zu sein. Bei der Nierenbelastung sind pflanzliches Eiweiß sowie Proteine von Milchprodukten und Fisch offensichtlich gesünder als Eiweiß von rotem Fleisch (Rind, Schwein, Lamm), sagte Hauner.

In der Vergangenheit wurde eine hohe Eiweißzufuhr bei Diabetespatienten kritisch gesehen, da angenommen wurde, dass damit der Entwicklung und Progression einer diabetischen Nephropathie Vorschub geleistet wird. Kleinere Studien hatten zudem belegt, dass bei einer beginnenden Nephropathie mit Mikroalbuminurie durch Begrenzung der Eiweißzufuhr auf 0,6 bis 0,8 g/kg Körpergewicht die Progression verlangsamt werden kann. Hauner: "Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Evidenz, dass die gesunde Niere eines Diabetikers durch eine eiweißreiche Kost geschädigt wird. Anders sieht es jedoch bei nierenkranken Diabetikern aus: Etwa ein Drittel aller Diabetiker sind von einer Nephropathie bedroht. Bei diesen Patienten ist eine Begrenzung der täglichen Eiweißmenge auf 0,8 g/kg Körpergewicht ratsam."

Ungeklärt sind die molekularen Mechanismen, wie eine proteinreiche Kost den diabetischen Stoffwechsel günstig beeinflusst.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Seltene, aber schwere Nebenwirkung

NSAR und Metformin: eine gefährliche Kombination

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3, 17–19]

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Frauenärztin und Aufklärerin auf Instagram

Dr. Annika Schauer: Gynfluencerin und Wies’n-Kellnerin

Lesetipps
Eine ältere Frau bekommt eine Impfung in den rechten Oberarm.

© David Pereiras / Stock.adobe.com

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt