Diabetes

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Strategien zur Gewichtsreduktion bei Typ-2-Diabetes

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 18.05.2007

Verbessert eiweißreiche Kost Stoffwechsel von Diabetikern?

Hinweise aus neuen Studien / Langzeitdaten fehlen noch

HAMBURG (ugr). Die Leitlinien der Fachgesellschaften zur Ernährungstherapie könnten in naher Zukunft geändert werden - besonders was die Versorgung mit Proteinen angeht. Denn eine eiweißreiche Ernährung scheint die Stoffwechsellage von Diabetikern günstig zu beeinflussen, sagte Professsor Hans Hauner von der TU München beim Diabetes-Kongress in Hamburg.

Hauner stellte bei einem vom Unternehmen Abbott ausgerichteten Symposium Ergebnisse mehrerer klinischer Untersuchungen vor, in denen eine eiweißreiche Diät mit einer eiweißnormalen Ernährung bei Diabetikern verglichen wurde. "Überraschenderweise ergaben sich unter den eiweißreichen Diäten mit bis zu 30 Prozent der täglichen Gesamtenergiemenge durchweg bessere Stoffwechseleinstellungen bei Blutglukoseverlauf, HbA1c-Wert und Serumlipiden im Vergleich zu einer Kontrollkost mit einem Eiweißanteil von 15 Prozent und höherer Kohlenhydratzufuhr", berichtete der Ernährungsmediziner. So wurde in einer Untersuchung der Blutzuckerspiegel bei proteinreicher Diät um 40 Prozent, der HbA1c-Wert um 0,7 Prozent gesenkt. Bei der eiweißnormalen Diät war es jeweils nur die Hälfte. Auch der Gewichtsverlust war bei der stark eiweißhaltigen Nahrung größer. Allerdings handelte es sich zumeist um kleinere Studien von nur wenigen Wochen; Langzeitdaten fehlten noch, merkte Hauner an.

Auch die Eiweißquelle scheint den Untersuchungen zufolge von Bedeutung zu sein. Bei der Nierenbelastung sind pflanzliches Eiweiß sowie Proteine von Milchprodukten und Fisch offensichtlich gesünder als Eiweiß von rotem Fleisch (Rind, Schwein, Lamm), sagte Hauner.

In der Vergangenheit wurde eine hohe Eiweißzufuhr bei Diabetespatienten kritisch gesehen, da angenommen wurde, dass damit der Entwicklung und Progression einer diabetischen Nephropathie Vorschub geleistet wird. Kleinere Studien hatten zudem belegt, dass bei einer beginnenden Nephropathie mit Mikroalbuminurie durch Begrenzung der Eiweißzufuhr auf 0,6 bis 0,8 g/kg Körpergewicht die Progression verlangsamt werden kann. Hauner: "Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Evidenz, dass die gesunde Niere eines Diabetikers durch eine eiweißreiche Kost geschädigt wird. Anders sieht es jedoch bei nierenkranken Diabetikern aus: Etwa ein Drittel aller Diabetiker sind von einer Nephropathie bedroht. Bei diesen Patienten ist eine Begrenzung der täglichen Eiweißmenge auf 0,8 g/kg Körpergewicht ratsam."

Ungeklärt sind die molekularen Mechanismen, wie eine proteinreiche Kost den diabetischen Stoffwechsel günstig beeinflusst.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »