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Ärzte Zeitung, 18.05.2007

Inhalierbares Insulin - Zusatznutzen wird in Studie geprüft

Bei Aufnahme über die Lunge sind die Nüchtern-Blutzuckerwerte niedriger als beim Spritzen / Patienten, die inhalieren, nehmen weniger zu

HAMBURG (ple). Mit inhalierbarem Insulin gibt es seit kurzem eine völlig neue Therapie-Option für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker. Unklar ist allerdings, ob sie im Vergleich zur subkutanen Insulintherapie zusätzlichen Nutzen bietet. In einer großen Studie wird das derzeit überprüft.

In einer Metaanalyse der Ergebnisse von elf Studien stellte sich heraus, dass sich durch die Therapie mit inhalierbarem Insulin (Exubera®) der HbA1c-Wert bei Diabetikern genauso gut senken lässt wie durch die subkutane Therapie. Daran hat Privatdozent Burkhard L. Herrmann aus Bochum erinnert. Andererseits erreichten in den Zulassungsstudien für inhalatives Insulin nur 22 Prozent der Patienten nach 24 Wochen einen HbA1c-Wert unter sieben Prozent, von Patienten mit subkutaner Therapie in der "Diabetes Control and Complications"-Studie jedoch 65 Prozent. Ein Nachteil der inhalativen Therapie seien zudem die Kosten. Sie lägen mit subkutaner Insulintherapie bei 1,50 Euro pro Tag, mit inhalierbarem Insulin bei etwa 3,50 Euro pro Tag, so Herrmann beim Diabetes-Kongress in Hamburg.

Für Professor Stephan Martin aus Düsseldorf hat das inhalierbare Insulin klare Vorteile. So gebe es Hinweise, dass die Patienten mit der Therapie weniger zunehmen als Patienten, die sich Insulin spritzen. Außerdem belegten erste Daten, dass die periphere Wirkung von inhalativem Insulin, die muskuläre Glukoseaufnahme, größer als von subkutan verabreichtem Insulin ist. Zudem würden nach Aufnahme von Insulin über die Lunge niedrigere Nüchtern-Blutzucker-Werte erreicht als nach dem Spritzen. Schließlich seien die Patienten mit dem inhalativen Insulin zufrieden: "Wer in den Studien Insulin inhaliert hatte, wollte auch dabei bleiben", so Martin bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer.

Um Klarheit über den Zusatznutzen von inhalierbarem Insulin zu erhalten, läuft derzeit die Studie EXPERIENCE mit 739 Typ-2-Diabetikern über insgesamt ein Jahr. Die Patienten sprachen zuvor nicht ausreichend auf orale Antidiabetika an. Wie Professor Nick Freemantle aus Birmingham berichtet hat, erhält die eine Hälfte der Patienten die Standard-Therapie (auch subkutan verabreichtes Insulin), die Vergleichsgruppe zusätzlich inhalierbares Insulin. Primärer Endpunkt der Studie sei die Differenz der HbA1c-Werte zwischen den Gruppen nach sechs Monaten. Noch 2007 werden die Ergebnisse der Studie erwartet.

Infos zum Kongress: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

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