Ärzte Zeitung, 25.05.2007

Für Diabetiker ist Rauchstopp besonders wichtig

Diabetiker rauchen genauso oft wie Nicht-Diabetiker / Abstinenzrate mit Entwöhnungshilfen verdoppelt

HAMBURG (hbr). Kaum ein Arzt weist seine Diabetespatienten nicht darauf hin: Rauchen ist Gift für die Gefäße. Trotzdem greifen Zuckerkranke genauso oft zur Zigarette wie Nicht-Diabetiker. Vareniclin hilft beim Ausstieg aus der Sucht.

Mit Medikamenten schafft es fast jeder zweite Raucher aufzuhören. Foto: dpa

Für Diabetespatienten ist der Verzicht aufs Rauchen besonders wichtig. Denn zum einen erhöht Rauchen das KHK-Risiko um etwa 70 Prozent. Zum anderen kommt bei ihnen noch ein erhöhtes Basis-Risiko dazu.

Abstinent zu werden fällt aber meist schwer: Die Rückfallquote ist hoch. Die Patienten brauchen also Hilfe. So belegte eine Untersuchung eine verdoppelte Abstinenzrate, bei medikamentösen Entwöhnungshilfen, wie Dr. Thomas Hering aus Berlin beim Diabeteskongress berichtet hat
Vareniclin (Champix®) fördert die Tabakabstinenz signifikant, wie Daten von rund 4000 Rauchern belegen. Der Wirkstoff bindet an dieselben Rezeptoren wie inhaliertes Nikotin. Dabei induziert er  ebenso wie Nikotin die Ausschüttung von Dopamin, wirkt aber weniger stark. Das mildert die Entzugssymptome. Gleichzeitig wird die Bindung von Nikotin an die Rezeptoren verhindert, was sich bei rückfälligen Rauchern als Vorteil erweist: Der hohe, Nikotin-bedingte Dopamin-Belohnungskick fällt weg und die Zigarette macht keinen Spaß mehr.

In zwei Studien wurde die Wirksamkeit von zweimal täglich 1 mg Vareniclin, zweimal täglich 150 mg Bupropion und von Placebo verglichen. Nach einer zwölfwöchigen Therapie waren in der Placebogruppe 18 Prozent der Probanden rauchfrei, mit Bupropion 30 Prozent und mit Vareniclin 44 Prozent, so Hering bei einem Symposium von Pfizer. Auch in der Nachuntersuchung nach einem Jahr war die Abstinenzrate mit Vareniclin höher als mit dem Vergleichspräparat oder Placebo. Abbrüche wegen unerwünschter Wirkungen waren kaum häufiger als unter Placebo. Als häufigster unerwünschter Effekt trat eine vorübergehende leichte
Übelkeit auf.

Die Behandlung dauert drei bis sechs Monate und kostet pro Tag nicht mehr als eine Packung Zigaretten. Dadurch sparen entwöhnungswillige Raucher schon im ersten Jahr etwa 900 Euro.

STICHWORT

Raucherstatistik

Nach Angaben der WHO gibt es weltweit etwa 1,3 Milliarden Raucher. In Deutschland leben nach Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln etwa 20 Millionen Raucher, davon seien zwölf Millionen Männer. 140 000 Menschen sterben hierzulande jedes Jahr an den Folgen des Rauchens.
(eb)

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