Ärzte Zeitung, 14.09.2007

Blutzuckermessen allein genügt nicht

Aufklärung tut not, denn zwei Drittel der Diabetiker wissen zum Beispiel nichts von ihrem erhöhten KHK-Risiko

BAYREUTH (hbr). Die Behandlung von Diabetikern ist eine interdisziplinäre Angelegenheit, betont Professor Diethelm Tschöpe von der Stiftung "Der herzkranke Diabetiker". Denn bei Zuckerkranken geht es nicht nur um gute Glukosewerte.

Wichtig sind vielmehr alle Faktoren, die die Gefäße der Patienten belasten. Außer dem Blutzucker müssen unbedingt auch erhöhte Blutdruck- und schlechte Blutfettwerte sorgfältig eingestellt werden, forderte der Diabetologe bei der bundesweiten Diabetes-Aufklärungsaktion "Gesünder unter 7" in Bayreuth. Bluthochdruck und Hypercholesterinämie finden sich bekanntlich bei Diabetikern besonders häufig. Umgekehrt lohnt es sich, bei Patienten mit kardiovaskulären Krankheiten die Glukosewerte zu kontrollieren. Denn viele von ihnen haben Probleme mit dem Kohlenhydrat-Stoffwechsel, die noch gar nicht erkannt wurden.

Während der Diabetes-Auklärungsaktion "Gesünder unter 7" wird bei einem Besucher der Blutdruck gemessen. Foto: eh

Alle Faktoren zusammen beanspruchen die Gefäße der Patienten gleich mehrfach. Kein Wunder also, dass die meisten Zuckerkranken letztlich an Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben: Nur jeder vierte hat eine andere Todesursache. Tschöpe plädierte deshalb bei der Veranstaltung von Sanofi-Aventis in Bayreuth für eine verstärkte Aufklärung der Patienten. Diabetes ist mit etwa acht Millionen Erkrankten hierzulande eine Volkskrankheit. Und die Zusammenhänge zwischen Gefäßkrankheiten und Diabetes sind vielen Patienten kaum klar.

Das haben vor kurzem Studiendaten der US-amerikanischen Gesellschaften für Diabetes und für Kardiologie belegt. Demnach kennen zwar zwei Drittel der Patienten das Erblindungsrisiko bei Diabetes. Aber ebenso viele wussten nicht, dass Zuckerkranke auch ein hohes kardiovaskuläres Risiko haben. 75 Prozent der Befragten hatten nach eigenen Angaben Risikofaktoren für eine KHK. Und die ist für das Überleben oft bedrohlicher als eine Diabetes-bedingte Erblindung.

Weil Gefäßschäden bei Diabetikern oft viele Areale erfassen, sind bei ihnen aber nicht nur Herz und Gehirn gefährdet. Auch eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) tritt bei ihnen häufiger auf als bei Nichtdiabetikern. Sie lässt sich mit dem Knöchel-Arm-Index (ABI) ermitteln, indem der Blutdruck am Knöchel durch den am Arm geteilt wird. Im Idealfall beträgt dieser Wert 1. "Unter einem Wert von 0,9 müssen Ärzte aktiv werden", betonte Tschöpe.

Die bundesweite Aufklärungsaktion "Gesünder unter 7" findet seit 2005 regelmäßig statt. Die Ärzte Zeitung ist Medienpartner der Aktion.

Weitere Informationen unter www.gesuender-unter-7.de

Aufklärung zum Thema Blutgerinnsel

Um Patienten über Ursachen von Plaques und Thrombosen sowie die Folgen Herzinfarkt, Schlaganfall und AVK aufzuklären, unterstützt Sanofi-Aventis die Kampagne: "Schau genauer hin!. Dazu gibt es ein Wartezimmer-Poster und ein Info-Faltblatt. Auf dem Poster und dem Faltblatt wird erklärt, wie Blutgerinnsel in Arterien entstehen, welche Faktoren das Risiko solcher Gerinnsel erhöhen und warum es wichtig ist, auf Zeichen einer Schaufensterkrankheit zu achten. Aufgeführt sind auch sechs Regeln zur Senkung des Risikos von Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Koalition "Schau genauer hin!" vereint Organisationen aus sechs Ländern, die sich bei der Aufklärung der Bevölkerung über Herzerkrankungen, Schlaganfall und Diabetes engagieren. (eb)

Die Materialien für die Kampagne können über den Außendienst von Sanofi-Aventis bezogen werden oder über das Web:

http://www.onlineakademie.info/akademien/plavix/service/ oder
http://www.arterie.com/arterie/arterie_aktuell/content-165562.html.

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